Im November 2016 stellte der FC Pau, ein Dritt­li­gist aus Süd­west­frank­reich, einen neuen Welt­re­kord in Beklopptheit auf. Im natio­nalen Pokal ließen sich die Fei­er­abend­profis ein Aus­wärts­spiel beim AS Magenta aus Nouméa zulosen. Falls die Geo­gra­fie­kennt­nisse gerade schwä­cheln: Nouméa ist die Haupt­stadt von Neu­ka­le­do­nien. Sie liegt 17 400 Kilo­meter ent­fernt von Pau. Selbst bei der güns­tigsten Ver­bin­dung sitzt man mehr als 27 Stunden im Flieger. Das ist unge­fähr so, als würde Son­nenhof Groß­as­pach zu einem Pokal­spiel nach Sydney jetten. 

Mani­pu­lierte Auslosung

Aber es gibt keinen Grund, Ver­eine wie Pau zu bemit­leiden. Warum mussten die Fran­zosen sich auch überall Kolo­nien unter den Nagel reißen? Die Quit­tung erhalten sie nun in Form eines Pokal­wett­be­werbs, der sich endlos hin­zieht und im wahrsten Sinne des Wortes auf der ganzen Welt aus­ge­tragen wird, von der Karibik bis zu den Komoren. Obwohl der Ver­band sich mit bis zu 25 000 Euro an den Rei­se­kosten betei­ligt, kann das fal­sche Los, mal ganz abge­sehen von den Stra­pazen, für einen kleinen Verein den Ruin bedeuten.

Des­wegen mani­pu­lieren die Fran­zosen die Aus­lo­sung. Vor der siebten Runde, in der die Teams aus den Über­see­ge­bieten ins Geschehen ein­greifen, werden die noch ver­blie­benen fran­zö­si­schen Klubs gefragt, ob sie im Falle der Fälle bereit wären, nach Mar­ti­nique oder Gua­de­loupe zu fliegen. Manche Ver­eine stimmen dem zu, weil sie aben­teu­er­lustig sind, andere pokern und spe­ku­lieren auf ein Heim­spiel. Schließ­lich hat man dann eine Art Freilos, sind die Truppen aus Tahiti oder Fran­zö­sisch-Gua­yana doch oft nur Kanonenfutter.

Nun könnte man denken, dass vor allem Pokal­wett­be­werbe solch bizarre Blüten treiben, denn es herrschte und herrscht ja kein Mangel an aus­ge­sucht exzen­tri­schen Cups. In Deutsch­land wurde zum Bei­spiel mal der soge­nannte Flut­licht­pokal aus­ge­spielt, in dem bei Tor­gleich­heit das Ecken­ver­hältnis den Aus­schlag gab. Doch auch im nor­malen Liga­be­trieb selbst großer Fuß­ball­na­tionen regiert nicht selten der nackte Wahnwitz.

Ein­mal­eins gegen den Abstieg

Wie etwa in Argen­ti­nien. Dort wurde seit 2012 der Modus der obersten Liga, der Pri­mera Divi­sion, in jedem Jahr geän­dert. Mal stieg nur ein Team ab, dann gar keines, dann gleich vier. Wie sie das tun, wenn sie es denn tun, ist fast schon bewun­derns­wert ver­schroben: Am Ende einer Saison addiert man die Anzahl der Spiele, die eine Mann­schaft in den letzten vier Jahren bestritten hat, und teilt sie durch die Summe der erzielten Punkte. Die Teams mit dem schlech­testen Koef­fi­zi­enten gehen runter.

Dieses System wurde ein­ge­führt, nachdem vor einigen Jahren erst River Plate in die zweite Liga musste, dann Inde­pen­diente. Obwohl nie­mand es offen zugibt, soll die neue Regel ver­hin­dern, dass solch große Tra­di­ti­ons­klubs absteigen, nur weil sie mal ein schlechtes Jahr haben. Das hat bisher auch gut geklappt, dafür geht ohne Taschen­rechner im Sta­dion gar nichts mehr: Vor drei Jahren fehlten Argen­tinos Juniors (der Klub, aus dem Mara­dona kam) 0,022 Durch­schnitts­punkte, um die Klasse zu halten. Und 2014 schafften es Colon und Atle­tico de Rafaela, nach all dieser Zah­len­klau­berei bis auf die dritte Nach­kom­ma­stelle den­selben Wert zu haben, wes­halb am Ende doch ein Ent­schei­dungs­spiel aus­ge­tragen werden musste.