1.

Dass die Meis­ter­schaft am letzten Spieltag ent­schieden wird, daran können sich die Jün­geren unter uns gar nicht mehr erin­nern. Also alle, die nach dem 8. Mai 2010 auf die Welt kamen, ange­nommen das Erin­ne­rungs­ver­mögen reicht bis zur eigenen Geburt. Das war das letzte Mal, dass die Ent­schei­dung erst nach 34 Spielen fest­stand. Meister wurde ‑damals – Boah! – der FC Bayern. An den Spiel­tagen vier bis sieben hieß der Tabel­len­führer – Doppel-Boah! – Ham­burger SV.

2.

Für Fälle wie heute hat die DFL übri­gens zwei Exem­plare der Meis­ter­schale. Eins reist mit DFL-Prä­si­dent Rein­hard Rau­ball nach Mön­chen­glad­bach, das andere mit Geschäfts­führer Chris­tian Sei­fert nach Mün­chen. Wäh­rend Rau­ball nur eine Kopie ein­pa­cken darf, hat Sei­fert das Ori­ginal dabei. Hält die DFL die Meis­ter­schaft also schon für ent­schieden? Ein Skandal? Eine Ver­schwö­rung? Nein. Das Ori­ginal ist in aller Regel beim Tabel­len­führer des vor­letzten Spieltags.

3.

Nach der Bay­ern­do­mi­nanz der letzten Jahre scheint es unvor­stellbar, doch tat­säch­lich fällt die Ent­schei­dung zum 25. Mal in 56 Bun­des­li­ga­spiel­zeiten im Grande Finale. Aller­dings: Nur fünf Mal ver­spielte der Tabel­len­führer seine Pole Posi­tion im letzten Atemzug. Womit wir bei Schalke 04 wären.

4.

Denn Königs­blau hätte aus den fünf bei­nahe sechs Mal gemacht. Nach einem 5:3 gegen Unter­ha­ching fei­erte ganz Gel­sen­kir­chen für satte vier Minuten die Meis­ter­schaft. Dann schoss Patrik Andersson in der Nach­spiel­zeit des Par­al­lel­spiels auf Vor­lage von Stefan Effen­berg sein ein­ziges Tor für den FC Bayern, der damit gegen den HSV einen Punkt und damit doch noch den Titel holte. Oder um es mit den Worten von Mathias Schober zu sagen, Ver­ur­sa­cher des indi­rekten Frei­stoßes im Straf­raum und von Schalke nach Ham­burg aus­ge­liehen: Ich dachte nur: Katastrophe!“

5.

Das letzte Mal, dass ein Bun­des­liga-Tabel­len­führer am letzten Spieltag den Titel ver­geigte, war 1999/2000, als Michael Bal­lack ein Eigentor schoss und Bayer Lever­kusen zu Vize­kusen“ wurde. Übri­gens auch das ein­zige Mal seit Ein­füh­rung der Drei-Punkte-Regel. Aber auch die Bayern haben es schon geschafft. 1971 näm­lich, als der FCB gegen Duis­burg verlor und Glad­bach par­allel in Frank­furt gewann. Stellt sich heute die Frage: Wer wird Dort­munds Günter Netzer?