Morgen treffen sich Borussia Dort­mund und Schalke 04 zum 178. Revier­derby. Das bedeutet auch, dass Freunde der Fuß­ball­sta­tistik wieder auf ihre Kosten kommen, denn zu sol­chen Anlässen werden ja immer alle mög­li­chen Daten, Zahlen und Bilanzen aus­ge­graben. Eine Partie aber, bei der die Schwarz-Gelben und ihre königs­blauen Rivalen auf dem Rasen standen, wider­setzt sich der Ein­ord­nung und Erfassung.

Denn einmal spielten die beiden Klubs näm­lich nicht gegen­ein­ander, son­dern wort­wört­lich mit­ein­ander. Ein ein­ziges Mal bil­deten Borussia Dort­mund und Schalke 04 tat­säch­lich so etwas wie eine Spiel­ge­mein­schaft. Wie es dazu kam, das ist aller­dings eine trau­rige Geschichte.

Streit am Bahnhof 

Sie ereig­nete sich am 22. August 1992, dem Tag, als Schalke zum 116. Derby in Dort­mund antrat. Es war nicht nur das erste Spiel, in dem Nor­bert Dickel als Sta­di­on­spre­cher-Azubi eine Ansage machen durfte. Es war auch die berühmte Partie, in der Günter Schlipper zum 0:1 traf und sich Schalkes neuer Trainer Udo Lattek mit Müll­er­milch-Kappe und in Bal­lon­seide vor dem Gäs­te­block feiern ließ. 

Nach dem Spiel kam es im Bahnhof Dort­mund-Derne zu einem tra­gi­schen Zwi­schen­fall. Ein 19-jäh­riger Dort­munder fing Streit an mit einen 24-jäh­rigen Schalke-Fan aus Lünen namens Werner Möll­mann. Der Kon­flikt eska­lierte und der Teen­ager erstach den Fuß­ball-Anhänger durchs geöff­nete Zugfenster.

Tat ohne Fuß­ball-Bezug 

Der Angreifer war kein aus­ge­machter BVB-Fan und seine Tat hatte keinen direkten Fuß­ball-Bezug. (Eine lokale Zei­tung schrieb: Der Täter war offenbar der ein­zige Stö­ren­fried unter den zahl­rei­chen fried­li­chen Fans beider Ver­eine im Zug.“) Den­noch ver­ein­barten der BVB und Schalke nur wenige Tage später ein Bene­fiz­spiel, um Geld für die Hin­ter­blie­benen zu sam­meln, schließ­lich hin­ter­ließ der Getö­tete ein Kind und eine schwan­gere Ehefrau.

In Anbe­tracht der Umstände war es natür­lich kaum sinn­voll, dass die beiden Teams den Rasen als Gegner betreten würden. So wurde ver­ein­bart, dass eine gemischte BVB/­Schalke-Elf im Herbst in Lünen antreten sollte. Dieser Plan konnte wegen Ter­min­pro­blemen nicht ein­ge­halten werden. Kurz vor Weih­nachten gaben die beiden Ver­eine schließ­lich bekannt, dass ihre gemein­same Elf am 26. Januar 1993, einem Dienstag, auf eine eben­falls unge­wöhn­liche Kom­bi­na­tion treffen würde – eine Mann­schaft aus Spie­lern des VfL Bochum und der SG Wat­ten­scheid 09.