Bei Depor­tivo Alaves, wo der­zeit alles zu gelingen scheint, ist es aus­ge­rechnet der Trainer, der mit seinem größten Wunsch auf der Strecke bleibt. Begeis­tert von der Stim­mung, die im Sta­dion Men­di­zor­roza herrscht, ließ sich der 48 Jahre alte Abel­ardo Fer­nandez zu fol­gendem Über­schwang hin­reißen: Ich würde mir am liebsten wieder selber die Schuhe anziehen, obwohl ich inzwi­schen steifer bin als Mojama.“ Mojama ist luft­ge­trock­neter Thun­fisch, eine Spe­zia­lität des Baskenlandes.

So ist das dieser Tage in der kleinen, knapp 250.000 Ein­wohner zäh­lenden Stadt Vitoria, wo Depor­tivo Alaves spielt. Jeder will mit­wer­keln an dem Fuß­ball­mär­chen, das der Verein gerade vor­trägt auf der Bühne Pri­mera Division. 

Ein abso­lutes Fliegengewicht

Die füh­rende Liga Europas ist eigent­lich keine roman­ti­sche Ver­an­stal­tung, die für so was wie Mär­chen zu begeis­tern ist. Dort herrscht das Recht des Stär­keren und der Stär­kere ist immer der Rei­chere. Was das angeht, sind Real, Atle­tico und der FC Bar­ce­lona der Kon­kur­renz Licht­jahre ent­eilt. In den ver­gan­genen 33 Jahren stellten diese drei Klubs 31 Mal den Meister. Daran wird sich auch im 34. Jahr ver­mut­lich nichts ändern, aber in Depor­tivo Alaves schickt sich gerade ein abso­lutes Flie­gen­ge­wicht an, die schweren Jungs zu ärgern. 

Alaves ist Fünfter. Punkt­gleich hinter Atle­tico und drei Zähler vor Real. Der Rück­stand auf Bar­ce­lona beträgt vier Punkte, Bis zum ver­gan­genen Wochen­ende war man gar Zweiter, ehe es beim 1:2 in Eibar einen kleinen Dämpfer gab. Aber auch das wurde mit der stoi­schen Gelas­sen­heit des Nor­dens hin­ge­nommen. Die Punkte, die wir sam­meln, sind nur für den Klas­sen­er­halt“, sagt Abel­ardo und nie­mand würde auf die Idee kommen, ihm zu widersprechen.

Alaves gab nur 8,5 Mil­lionen Euro für neue Spieler aus

Wer könnte die Leis­tungen auch besser ein­schätzen als der ehe­ma­lige Welt­klasse-Ver­tei­diger des FC Bar­ce­lona? Als er die Mann­schaft ver­gan­gene Saison über­nahm, war sie Letzter und hatte bis dahin schon vier Trainer ver­schlissen. Dann kam Abel­ardo, gab den Spie­lern ihr Selbst­ver­trauen zurück und hatte sofort Erfolg. Am Ende hatte Alaves 18 Punkte mehr, als für den Klas­sen­er­halt nötig gewesen wären. 

Dass der Klub vor der Saison trotzdem zu den Abstiegs­an­wär­tern gezählt wurde, war allen Betei­ligten nur Recht, weil die Erwar­tungen klein blieben. Alaves gab nur 8,5 Mil­lionen Euro für drei neue Spieler aus, das sind 138 Mil­lionen Euro weniger als Real Madrid. Kein Klub in Europas Top­ligen, der der­zeit auf einem inter­na­tio­nalen Tabel­len­rang steht, hat weniger inves­tiert. Ange­sichts der geringen Aus­gaben fragte die Sport­zei­tung Marca“ gerade ver­wun­dert: Wie kann man es schaffen, den Himmel der ganz Großen zu berühren, ohne einen ein­zigen Stern zu haben?“