Manuel Gaber, Sie sind SC Frei­burg-Fan und Mit­in­itiator der bun­des­weiten Kam­pagne 50+1 bleibt!“. Morgen ent­scheidet die DFL auf ihrer Mit­glie­der­ver­samm­lung, ob sie eine Debatte über die Abschaf­fung der 50+1‑Regel führen wird. Auf­ge­regt?
Es ist auf jeden Fall eine span­nende und sehr ent­schei­dende Mit­glie­der­ver­samm­lung. Ich hoffe nicht, dass 50+1 fallen wird. 

Warum ist Ihnen gerade der Erhalt von 50+1 so wichtig?
Weil diese im deut­schen Fuß­ball sehr wich­tige Regel jetzt grund­sätz­lich zur Dis­kus­sion gestellt ist. Es gibt auch andere Ent­wick­lungen, die besorg­nis­er­re­gend sind. Aber wenn 50+1 fällt, gehen wir davon aus, dass sich der Wett­be­werbs­druck für alle Klubs erhöhen wird. Das kann im Extrem­fall dazu führen, dass die Finanz­kraft von so man­chem Eigen­tümer wich­tiger wird als die solide und erfolg­reiche Arbeit anderer Vereine.

Eine rich­tungs­wei­sende Ent­schei­dung also?
Ja. Hier ist eine Grund­satz­de­batte begonnen worden über eine Regel, die dem Fuß­ball sehr viel Gutes getan hat und die bis vor wenigen Jahren auch noch von allen Klubs hoch­ge­halten wurde.

Ist es dann nicht schon zu spät für Pro­test?
Nein. Der Erhalt von 50+1 ist ein ent­schei­dender Faktor und dafür gilt es zu kämpfen. Natür­lich gibt noch viele wei­tere Ent­wick­lungen, die wir Fans kri­tisch sehen. Wir wollen nicht, dass es so wei­ter­geht, son­dern eine Debatte dar­über führen, was zu tun ist, damit sich der Fuß­ball wieder mehr an der Lebens­rea­lität der nor­malen Leute ori­en­tiert. Es gibt ja zur­zeit viel Pro­test, zum Bei­spiel gegen die Mon­tags­spiele. Die Fans merken, dass es vielen Ver­ant­wort­li­chen in erster Linie nur noch um wirt­schaft­liche Inter­essen geht und der Sport immer mehr in den Hin­ter­grund rückt.

Könnten die Ver­eine denn nicht jeweils für sich selbst ent­scheiden, ob sie an 50+1 fest­halten wollen — oder eben nicht?
Der sprin­gende Punkt an 50+1 ist doch, dass es eine gemein­schaft­liche Regel ist, die für alle gilt. Wenn sich ein Klub einen großen Investor ins Boot holt, erhöht das den Wett­be­werbs­druck für die anderen.

Die Regel ist doch aber ohnehin schon auf­ge­weicht. Für Hof­fen­heim, Lever­kusen, Wolfs­burg und Leipzig gibt es Aus­nah­me­re­ge­lungen.
Das ist der Status Quo. Und es gibt klare Kri­te­rien, die erfüllt werden müssen, damit eine Aus­nah­me­re­ge­lung bean­tragt werden kann. Das Bei­spiel Martin Kind in Han­nover zeigt, dass diese Kri­te­rien funk­tio­nieren. Man kann auch grund­sätz­lich über Aus­nah­me­re­ge­lungen dis­ku­tieren. Aber leider geht die Dis­kus­sion ja in eine andere Richtung.