Wenn es von Prot­ago­nisten aus der Fuß­ball­welt heißt, sie hätten ihre Kom­fort­zone ver­lassen“, lächeln wir Nor­mal­sterb­li­chen nur müde. Klar, für einen zwei­stel­ligen Mil­lio­nen­be­trag würde jeder seine Kom­fort­zone verlassen. 

Das macht den Wechsel von Pep Guar­diola zu Man­chester City nicht weniger inter­es­sant. In Bar­ce­lona und in Mün­chen traf er jeweils auf zwei Mann­schaften, denen er seine Grund­phi­lo­so­phie nicht mehr bei­bringen mussten. Pres­sing und Ball­be­sitz waren bereits vor seiner Amts­zeit die Kern­phi­lo­so­phie im Verein, er musste die Teams nur an seine Art des Ball­be­sitz­spiels gewöhnen.

Bei City ist es gänz­lich anders. In der Ver­gan­gen­heit stand die Mann­schaft vor allem für ein schnelles Kon­ter­spiel. Gerade die Inten­sität im Pres­sing ließ stets zu wün­schen übrig. Guar­diola musste zum ersten Mal in seiner Kar­riere bei null beginnen.

Der radi­kale Neu­ge­stalter

Er ließ gar nicht erst den Ver­dacht auf­kommen, dass er seiner Phi­lo­so­phie fremd­gehen möchte. Zwei Per­so­na­lien machten dies schnell deut­lich: Yaya Toure, jah­re­lang Citys Spiel­ge­stalter, flog unter Guar­diola aus dem Kader (wie schon in Bar­ce­lona).

Guar­diola erklärte zwar, die Tür stehe Toure jeder­zeit offen, wenn dieser an seinem Ver­halten im Pres­sing arbeitet. Nur ist das in etwa so, als würde Carlo Ance­lotti erklären, Thomas Müller dürfe zurück­kehren, wenn er Bälle nur noch nach Lehr­buch-Art annimmt. Zu deutsch also: nie.

Defen­siv­ver­wei­gerer Toure flog raus, damit Guar­diola den ersten Teil seiner Phi­lo­so­phie umsetzen kann: Domi­nanz durch Pres­sing. City stört wesent­lich höher, geht sofort nach Ball­ver­lusten ins Gegen­pres­sing über.

Die Spieler müssen auch in Man­chester genau nach Guar­diolas Posi­ti­ons­spiel agieren, damit nach Ball­ver­lusten keine Lücken ent­stehen. Diesen Teil der Guar­diola-Phi­lo­so­phie hat City rasend schnell umge­setzt. Bereits jetzt kann sich die Elf in der geg­ne­ri­schen Hälfte fest­setzen, indem sie jeden zweiten Ball und jedes zweite Gegen­pres­sing-Duell gewinnen.

Ver­än­dert sich Pep?

Die zweite Per­so­nalie, die exem­pla­risch für Guar­diolas Phi­lo­so­phie-Wechsel in Man­chester steht: Joe Hart. Der Tor­hüter musste Man­chester ver­lassen, weil er zwar auf der Linie Welt­klasse, mit dem Ball am Fuß aber eher Mit­tel­klasse ist. Guar­diola möchte auch in Man­chester das Spiel domi­nieren. City hat durch­schnitt­lich rund 5% mehr Ball­be­sitz als in der Vor­saison (60% statt 55%), spielt pro Partie rund 10% mehr Pässe (585 statt 539).