Wolf­gang Funkel, wenn Sie von Fremden auf das Euro­pa­pokal-Rück­spiel zwi­schen Uer­dingen und Dresden am 19. März 1986 ange­spro­chen werden: Was inter­es­siert die am meisten?
Meis­tens erzählen mir die Leute, dass sie spä­tes­tens zur Halb­zeit umge­schaltet haben, weil sie dachten, die Partie sei gegessen.

Kein Wunder. Nach der 0:2‑Hinspiel-Pleite netzte Minger in Uer­dingen schon in der ersten Minute gegen Sie ein. Waren Sie zu offensiv aus­ge­richtet?
Wir waren schon sehr offensiv aus­ge­richtet, da wir min­des­tens drei Tore schießen mussten, um wei­ter­zu­kommen. Als wir uns dann das 0:1 gefangen haben, war das wie ein Schlag mit dem Hammer. Viele von uns haben das Spiel in diesem Moment abge­hakt.

Haben Sie die Resi­gna­tion auch beim Trainer gespürt?
Nein, er ist von der Bank gesprungen, hat wild ges­ti­ku­liert und noch ver­sucht, uns nach dem Rück­stand nach vorne zu peit­schen. Er war jemand, der Theater gemacht hat, ein Hans Dampf eben.

Das Heiß­ma­chen dürfte sich in der Pause beim Stand von 1:3 erle­digt haben.
Ja, in der Halb­zeit saßen wir alle mit hän­genden Köpfen da. Keiner von uns hat mehr an ein Wei­ter­kommen geglaubt. Beide Spiele zusam­men­ge­rechnet lagen wir mit 1:5 hinten und hatten noch 45 Minuten Zeit, um das zu drehen – ein in Ding der Unmög­lich­keit.

Wie hat Feld­kamp reagiert?
Der Trainer hat nur gesagt: Wir müssen uns zumin­dest mit Würde ver­ab­schieden.“ Also sind wir raus­ge­gangen und wollten ver­su­chen, viel­leicht noch ein Unent­schieden oder einen knappen Sieg zu holen, um den Men­schen im Sta­dion und an den Fern­seh­schirmen etwas zurückzugeben. 



Als Sie wieder auf den Platz gingen, stand für den Dresdner Keeper Jaku­bowski Ersatz­keeper Ramme auf dem Platz.
Jaku­bowski hatte kurz vor der Halb­zeit einen Zusam­men­prall mit mir. Ich hatte ihn mit dem Knie am Rücken erwischt, aller­dings unbe­ab­sich­tigt.

Später stellte sich heraus, dass sich Jaku­bowski in Folge des Zusam­men­pralls die Schulter gebro­chen hatte und anschlie­ßend seine aktive Lauf­bahn beenden musste. Haben Sie noch einmal über die Situa­tion gespro­chen, die zu seiner Ver­let­zung führte?
Als ich Co-Trainer in Ober­hausen war, hatten wir Ende der Neun­ziger ein Trai­nings­lager in Ost­deutsch­land. Plötz­lich tippt mir Jaku­bowski bei einem Freund­schafts­spiel auf die Schulter. Es hat nicht lange gedauert, bis wir auf den Unfall zu spre­chen gekommen sind. Er meinte: Eigent­lich müsste ich dir jetzt in den Hin­tern treten.“ Aber im End­ef­fekt mussten wir beide lachen.

Hat der Tor­wart­wechsel das Uer­dinger Spiel beein­flusst?
Erst einmal nicht. Als wir aus der Kabine gekommen sind, wussten wir nichts von dem Wechsel. Zudem kannten wir Ramme nicht – weder seine Stärken noch seine Schwä­chen.

Sie haben es in der zweiten Halb­zeit auf­fal­lend häufig über hohe Bälle ver­sucht.
Das hatten wir uns schon vor dem Spiel vor­ge­nommen, weil unsere Mann­schaft mit kopf­ball­starken Spie­lern gespickt war. Als der Ersatz­tor­wart dann unglaub­liche Schwä­chen bei hohen Bällen zeigte, ver­suchten wir es umso häu­figer. Zumal er auch beim Raus­laufen nicht die beste Figur machte.