Macht und Kon­trolle – das war (und ist) das Credo von Sir Alex Fer­guson. Als der Erfolgs­trainer vor über zwei Jahren Man­chester United ver­ließ, emp­fahl er seinen Nach­folger selbst: David Moyes. Der ehe­ma­lige Everton-Trainer schei­terte. Louis van Gaal scheint es nicht besser zu ergehen. Nun berichten ver­schie­dene Medien von einem mög­li­chen Enga­ge­ment José Mour­inhos. Nur Alex Fer­guson ist dagegen. Hat sein Wort tat­säch­lich noch so viel Gewicht? Der Ori­gi­nal­text erschien auf der for­mi­da­blen Seite www​.pun​dit​arena​.com

Lieber Sir Alex Fer­guson… Sir,
 
wie geht es dir, du alte Whis­ky­nase? Es ist schon ein Weil­chen her. Wie ich sehe, schleichst du noch immer im Old Traf­ford rum, und komi­scher­weise scheinst du jeden Tag jünger aus­zu­sehen. Kom­pli­ment!
 
Bevor wir beginnen, möchte ich gerne die Karten offen auf den Tisch legen, damit wir uns richtig ver­stehen. Als Man­chester-United-Fan gab es eine Zeit, in der ich zu dir auf­ge­schaut habe wie zu einem Gott. Ich fange jetzt nicht an, deine Erfolge auf­zu­listen, da ich sicher bin, dass du dir sie, bevor du ins Bett gehst, immer noch selber zuflüs­terst. Kurz: Du hast einen groß­ar­tigen Job gemacht. Noch mal: Kompliment!

Ein biss­chen wie ein Arsch
 
Aber, trotz alledem: Fergie, altes Haus, ich würde lügen, wenn ich dir nicht sagen würde, dass ich in diesem Augen­blick anfange zu denken, dass du dich ein biss­chen wie ein Arsch ver­hältst.
 
Seit du aus deiner lei­tenden Posi­tion im Old Traf­ford in Rente“ gegangen bist, ist mir mit jedem deiner Kom­men­tare klarer geworden, dass, obwohl du andau­ernd betonst, dass kein Mensch größer als der Verein ist“, es in deiner Wahr­neh­mung immer einen Mann gab, der genau das war: Eric Djemba-Djemba.
 
Das ist natür­lich nur Spaß. Der Mann, den ich meine, bist du selber: Sir Alex Fer­guson, der Große.
 
Und wie groß du warst. Aller­dings: Seit du in Rente gegangen bist, hat alles, was du gesagt hast, in dieser oder jener Weise, deine Beses­sen­heit von zwei Wör­tern ans Tages­glicht gebracht. Wörter, die du zu unzäh­ligen Anlässen selbst aus­ge­spro­chen hast: Macht und Kontrolle.

Du kannst das Team nicht aus den Logen kon­trol­lieren
 
Macht und Kon­trolle sind gut und schön, und wäh­rend du Trainer von Man­chester United warst, war es sicher­lich zum Vor­teil des Ver­eins, dass du diese beiden Eigen­schaften im Schwitz­kasten gehalten hast. Aber nun, da du pen­sio­niert bist, wird deine unver­kenn­bare Ver­zweif­lung, an deiner bor­der­line-psy­cho­pa­thi­schen Beses­sen­heit fest­zu­halten, ein kleines biss­chen nervig.
 
Weißt du, Fergie, du kannst das Team von ganz da oben aus den Logen nicht kon­trol­lieren, und du soll­test ganz sicher nicht ver­su­chen, den Trainer zu steuern.
 
Ich weiß jetzt schon, dass einige dies lesen und es blas­phe­misch nennen werden, deinen guten Ruf mit sol­chen Anschul­di­gungen zu beschmutzen, aber, in den Worten von Rafa Benitez, lass uns einmal einen Blick auf die Fakten“ werfen.
 
Als du dich ent­schieden hast, das Undenk­bare zu tun und deine Zügel im Old Traf­ford aus der Hand zu geben, habe ich ein über­wäl­ti­gendes Gefühl von Panik und Fas­sungs­lo­sig­keit ver­spürt. Ich war ver­loren, und ich konnte nicht anders, als zu denken, dass dein Abschied sich zwangs­läufig zu einem Desaster für Man­chester United ent­wi­ckeln würde.
 
Ich lag falsch. Wie sich her­aus­stellte, wurde es viel schlimmer als das.
 
Bevor du gegangen bist, hast du für Everton-Trainer David Moyes als deinen Ersatz gestimmt. Eine Ent­schei­dung, die, wie einige sagen werden, eine logi­sche war. In Wirk­lich­keit wurde das biss­chen Logik, das hinter dieser Ent­schei­dung steckte, von Anfang an verdreht.