Dinge, die Giorgio Chiel­lini ver­mut­lich in seiner Frei­zeit tut, um sich vom harten Alltag eines Profi-Ver­tei­di­gers zu entspannen:

- leer ste­hende Häuser ein­reißen
- kaputte Straßen mit dem Press­luft­hammer bear­beiten
- Mett produzieren

Der Glatz­kopf von Juventus Turin ist ein Mann fürs Grobe. Gegen Real Madrid warf sich der 1,87-Meter-Mann so enthu­si­as­tisch in die Zwei­kämpfe gegen die hoch gehan­delte Offen­sive, dass er irgend­wann mit Turban über den Rasen stie­felte – bei einem Zusam­men­prall mit Gareth Bale hatte sich Chiel­lini eine blu­tende Wunde über dem Auge zugezogen. 

Gegen Ronaldo, die teu­erste Ziel­scheibe der Welt

So ein Turban scheint die ganz Harten der Branche erst richtig anzu­sta­cheln. Unver­gessen, wie sich Dieter Hoeneß einst trotz eines durch­ge­sifften Ver­bandes weiter in die hohen Bälle schmiss und tat­säch­lich noch einen Treffer im Pokal­fi­nale 1982 für seine Bayern erzielte. Natür­lich war es damals ein Kopf­ball. Unver­gessen, zumin­dest in Ita­lien, dürfte seit Diens­tag­abend auch eine Aktion von Giorgio Chiel­lini geworden sein. Natür­lich war es eine Grätsche.

Nicht gegen irgendwen. Son­dern gegen Cris­tiano Ronaldo, die teu­erste Ziel­scheibe der Fuß­ball-Welt. Kein Ver­tei­diger zwi­schen Kreis­klasse und Cham­pions League, der sich nicht schon auf nassem Rasen in den Por­tu­giesen grät­schen sah. Nicht, um den Super­star zu ver­letzen. Aber einen mit­geben wird ja wohl noch erlaubt sein.

Und so sah sich Chiel­lini kurz vor dem Schluss­pfiff im feuchten Traum eines jeden Defen­siv­spie­lers: Ein Vor­sprung, den es über die Zeit zu retten gilt; ein zer­pflügter, aber immer noch rut­schiger Rasen; ein von der Seite her­an­ra­sender Cris­tiano Ronaldo. Auf Höhe der Mit­tel­linie, nahe am Sei­tenaus, also auf der per­fekten Bühne für ein sol­ches Tack­ling, fuhr Chiel­lini seinem pro­mi­nenten Gegen­spieler form­voll­endet in die Parade. Er ver­passte zwar den Ball, traf Ronaldo aber nur so hart, dass der sich unver­letzt vom Rasen erheben konnte. 

Ach, war das schön!

Der blut­be­fleckte Turban, Chiel­linis haken­na­sige Grob­kör­nig­keit, ein abge­kämpftes, gras­ver­schmiertes Halb­final-Gesicht – und dazu dieser kom­pro­miss­loser Zwei­kampf mit einer klaren Mes­sage: Fahr nach Hause, Super­star, das Spiel ist ver­loren! Ein kleine, etwas schmut­zige Hel­dentat war das. Ein waa­ge­rechter Gruß an all die Arbeits­pferde, noto­ri­schen Mann­de­cker und Türme in der Schlacht. Die schießen keine schönen Tore, können sich nicht so spek­ta­kulär bewegen, ver­sprühen keine Magie mit dem Ball am Fuß. 

Aber sie können solche Grätschen.