Man muss Pep Guar­diola, neben vielem anderen natür­lich, für eines ganz beson­ders bewun­dern: Wenn der Sturm, der in ihm tobt, am aller­schlimmsten ist, steht er ein­fach nur da. 

Die Gefühle – Schmerz, Bit­ter­keit, Wut, ja Hass auf den Gegner, der sich nur all­mäh­lich in einen Hass auf das Schicksal ver­wan­delt – mit den Händen in den Hosen­ta­schen ver­sen­kend, steht er ein­fach nur da. Und schaut. Leer, traurig und ein biss­chen dumm sieht er aus, was er natür­lich nicht ist, er ist ja bekannt­lich ein Genie von Welt­format. Er ähnelt dann ent­fernt Bruce Dar­nell in seinen melan­cho­lischsten Momenten, wenn er die namen­losen Models über den Lauf­steg wackeln sieht, die ihm ins­ge­heim so unsagbar leid tun in ihrer eitlen Abstram­pelei. Wenn Guar­diola ein­fach nur so da steht, ahnt man, wie einsam es inner­halb seiner berühmten Aura sein muss, an der alle, die ihm näher kommen möchten, doch immer nur abprallen und zu Boden stürzen. 

Leer, traurig, ein biss­chen dumm, was er natür­lich nicht ist, und sehr, sehr einsam: So stand Guar­diola also da und hielt den Sturm aus, der in ihm tobte, als plötz­lich Jürgen Klopp an ihm vorbeirannte. 

Der Sturm, der andere mit­reißt und manchmal umwirft 

Bis zuletzt hatte dieser auf der Bank gesessen, ein­fach nur dage­sessen, er, dessen ganz per­sön­li­cher Sturm so oft nicht in ihm, son­dern um ihn herum tobt, andere mit­reißt und manchmal auch umwirft. Er ist doch sonst, ganz anders als Guar­diola, ein Mann, der es raus­lässt, alles, auch ihn: den Sturm. Sein osten­ta­tives Ein­fach­nur­da­sitzen musste also, man ahnte und fürch­tete es beim Hin­sehen, die Ruhe davor gewesen sein: Ent­weder dieser Klopp stürzt gleich in sich zusammen wie eine gesprengte Statue, oder es bricht alles, alles, alles aus ihm heraus. Die Extreme, in die solch ein Pokal­spiel einen Trainer schleu­dern kann, von jetzt auf gleich und wieder zurück – kaum jemand kennt sie, lebt sie, ver­achtet und liebt sie so wie Klopp. 

Und als Manuel Neuer – der Tor­wart! – in diesem tra­gi­ko­mi­schen Elf­me­ter­schießen nach Lahm, Alonso und Götze auch noch den vierten Elf­meter der Bayern ver­schossen hatte, konnte Klopp den Sturm und sich selbst und alles in ihm drin, das sich doch eigent­lich kaum von dem unter­scheidet, was Guar­diola in sich trägt, den Schmerz, die Bit­ter­keit, den Hass, der sich aber in einer herr­li­chen Sekunde ver­wan­deln kann in Liebe, Erlö­sung und ewige Jugend, nicht mehr halten: Er rannte los – die Zähne gefletscht zur Gri­masse eines angrei­fenden Huskys, die eine Hand zur Faust geballt, die andere als Heck­ruder abge­win­kelt, so schnell wie in seinen aktiven Zeiten nicht, exakt den­selben Weg, den Doktor Müller-Wohl­fahrt in über 40 Jahren als Mann­schafts­arzt des FC Bayern so oft und am aller­liebsten gerannt war, um seinen rasanten Antritt und sein ebenso rasantes Haar zu prä­sen­tieren: Von der Coa­ching Zone in den Straf­raum, aus der Ein­sam­keit der Bank mitten hinein in die damp­fende Herde seiner Spieler.