Der 4. Juli letzten Jahres war mein erster Arbeitstag als Co-Trainer bei Man­chester United, aber noch am Vor­abend um 20 Uhr wusste ich nicht, dass ich zu meinem alten Klub zurück­kehren würde. Ich hatte nach acht Jahren beim FC Everton meine Spie­ler­kar­riere beendet und bei der BBC einen Ver­trag als Experte unter­schrieben. Eigent­lich wollte ich ein Jahr lang Aus­zeit nehmen, Abstand gewinnen und Fuß­ball aus einer anderen Per­spek­tive betrachten. Aber dann wurde David Moyes, unter dem ich in Everton gespielt hatte, Trainer bei Man­chester United. 

Er wollte mich als einen seiner Assis­tenten, und alles ging ganz schnell. 

Den Tag der Rück­kehr werde ich nie ver­gessen. Ich liebe Man­chester United und es war fas­zi­nie­rend, den Klub so wieder vor­zu­finden, wie ich ihn ver­lassen hatte. Natür­lich hat sich in der Zwi­schen­zeit die Infra­struktur ver­bes­sert, aber die meisten Mit­ar­beiter von früher waren immer noch da. Wir sind von ihnen mit offenen Armen emp­fangen worden, aber ich hatte zugleich den Ein­druck, dass alle noch geschockt waren, weil Sir Alex Fer­guson nach 26 Jahren nicht mehr da war. Zugleich war Der Boss“ noch all­ge­gen­wärtig, denn überall auf dem Trai­nings­ge­lände in Car­rington sind Bilder von ihm zu sehen, und die Ange­stellten haben ihn ständig erwähnt. 

Für mich war das nicht schwer, weil ich in dieser Welt auf­ge­wachsen bin. Aber für die Neuen kann es nicht leicht gewesen sein. Du kommst zur Tür herein und siehst als Erstes den Euro­pa­pokal, daneben den FA-Cup und die Pre­mier-League-Tro­phäe. Das ist ein­schüch­ternd, und zugleich merkt man in jedem Moment: Es ist das Haus eines anderen, das Team eines anderen und nicht deines. In der Trai­ner­ka­bine gab es einen Spind mit den Initialen A. F.“. In den ersten fünf Tagen, in denen wir da waren, wurde er nicht benutzt, obwohl Kla­motten davor lagen. Irgend­wann dachten wir, dieser Spind sei eine Art Schrein für Sir Alex. Am sechsten Tag kam die Nach­wuchs­mann­schaft zurück, ihr Tor­wart­trainer ging zu dem Schrank und zog sich um: Alan Fettis.

Legenden überall

Egal wo, bei Man­chester United wird man unab­lässig mit der Geschich­te des Klubs kon­fron­tiert, sei es durch die Sir-Alex-Fer­guson-Tri­büne“ oder die Statue von Sir Matt Busby vor dem Sta­dion. Ver­eins­le­genden wie Bobby Charlton oder Denis Law kreuzen auf dem Trai­nings­platz auf. Als wir in der Vor­be­rei­tung zum ersten Mal ins Flug­zeug stiegen, saßen sie mit Brian Robson in den letzten Reihen, außerdem Andy Cole und Dwight Yorke. 

Wer mal für einen sol­chen Klub gespielt hat, ist Teil der Familie. Ich selbst habe zur Class of 92“ gehört, also der Mann­schaft mit David Beckham, Ryan Giggs, Paul Scholes, Nicky Butt und meinem Bruder Gary, die damals für Man­chester United den FA-Jugend­pokal gewonnen hat. Später war ich zehn Jahre lang Profi, und selbst nachdem ich den Klub vor acht Jahren ver­lassen hatte, bin ich den­noch jedes Mal, wenn ich im Sta­dion war, als Spieler von Man­chester United behan­delt worden.

Die Geschichte erzeugt Druck

Bei Milan oder Ajax Ams­terdam, Real Madrid oder dem FC Bayern ist das auch so, und dieser Umgang mit den Spie­lern und Ex-Spie­lern macht einen großen Klub aus. Des­halb erzählt Bobby Charlton den Neu­zu­gängen auch von der Geschichte des Ver­eins. Und des­halb sind wir vor dem Vier­tel­fi­nal­spiel in der Cham­pions League in Mün­chen dahin gefahren, wo die Busby Babes“ 1958 mit dem Flug­zeug ver­un­glückt sind. Die His­torie mit ihrer immensen Bedeu­tung muss man annehmen, aber sie erzeugt natür­lich auch Druck, denn der Klub und seine Mil­lionen von Fans sind es gewöhnt zu gewinnen. 

David Moyes und das gesamte Trai­ner­team sind auch von den Spie­lern fan­tas­tisch emp­fangen worden. In der Kabine hatte Moyes einen sehr guten Ruf, weil die Profis wussten, dass er bei Everton erfolg­reich gear­beitet und mit beschei­denen Mit­teln eine gute Mann­schaft geformt hatte. Sie haben von ihm neue Ideen und andere Trai­nings­me­thoden erwartet, und so war es auch. Den Spie­lern hat seine Arbeit gefallen, den­noch hatte ich den Ein­druck, dass sie immer noch über den Abgang von Fer­guson ent­täuscht waren.