Stefan Reuter als Manager des Jahres, das ist mehr als ver­dient. Weil er den FC Augs­burg zusammen mit Markus Wein­zierl auf den achten Platz geführt hat. Weil der Klub schon in seine vierte Bun­des­li­ga­saison geht. Vor allem aber, weil Stefan Reuter per­fekt zu diesem Verein und zu dieser Stadt passt. Dazu muss man wissen, dass der Augs­burger eine Nei­gung zum Under­state­ment hat. Die Stadt ist ein tra­di­ti­ons­rei­cher Fuß­ball­standort, es gibt lei­den­schaft­liche Fans und ein enormes Wirtschaftspotential.

Keine Thesen für den Boulevard

Trotzdem macht sich Augs­burg oft zu klein, ins­be­son­dere gegen­über der Lan­des­haupt­stadt Mün­chen. Solch ein Verein braucht keinen Hans­dampf, der Fünf­jah­res­pläne fürs inter­na­tio­nale Geschäft über die Medien hin­aus­po­saunt. Son­dern einen, der effi­zient und mit Ver­stand arbeitet, der Phan­tasie hat und zugleich genü­gend Boden­haf­tung, um Wunsch­denken und Wirk­lich­keit unter­scheiden zu können. Reuter ver­eint all dies in sich, ohne sich dabei zu sehr vom Geschäft ver­ein­nahmen zu lassen. Es gehört ja zu den merk­wür­digen Ver­zer­rungen unserer Branche, dass einer, der unprä­ten­tiös arbeitet und nicht ständig mit steilen Thesen die Bou­le­vard­blätter füllt, schnell als bieder gilt. Reuter ist nichts weniger als das.

Einer, der weiß, was zu tun ist

Aber er weiß um die Gefahr, in der jeder eini­ger­maßen erfolg­reiche Klub ständig schwebt, näm­lich dass unrea­lis­ti­sche Erwar­tungen das täg­liche Han­deln bestimmen. Stefan Reuter ist Rea­list genug, um zu wissen, dass kein Klub ein ver­brieftes Recht auf die Erst­li­ga­zu­ge­hö­rig­keit hat.
Ich erin­nere mich noch, wann mir Stefan Reuter als Manager zum ersten Mal positiv auf­fiel. Es war zu meiner Augs­burger Zeit, der 1860 Mün­chen mit Reuter als Sport­di­rektor war im Rosen­au­sta­dion zu Gast. Der Gäs­te­block platzte aus allen Nähten. Wäh­rend des Spiels ging es so hoch her, dass die Löwen-Fans beru­higt werden mussten.

Wäre ich als FCA-Manager allein hin­mar­schiert, hätten die mir einen Vogel gezeigt. Wir haben zusammen mit den Anhän­gern gespro­chen. Seither weiß ich: Das ist keiner, der sich ver­dün­ni­siert, wenn es drauf ankommt. Nun kommt es wieder drauf an. Stefan Reuter muss den FCA in der Liga halten. Er muss die Mann­schaft wei­ter­ent­wi­ckeln und das Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum vor­an­treiben. Er kann sich dabei auf Markus Wein­zierl, Peter Bircks, in erster Linie aber auf Walter Seinsch, ohne den der FCA nicht im Pro­fi­fuß­ball ange­langt wäre, ver­lassen. Und natür­lich auf sich selbst. Auf Stefan Reuter, den Manager des Jahres.