Es ist nicht bekannt, ob Joa­chim Löw ein über­zeugter Anhänger des basis­de­mo­kra­ti­schen Prin­zips ist. Ob er seinen Match­plan mit allen Wenn- dann-Stra­te­gien schon vor dem Anpfiff in sämt­li­chen Ein­zel­heiten erklärt. Ver­mut­lich nicht. Und des­halb hat Kevin Groß­kreutz ver­mut­lich auch nichts Böses geahnt, als Shko­dran Mus­tafi im Spiel gegen Por­tugal für den ver­letzten Mats Hum­mels ein­ge­wech­selt wurde. Innen­ver­tei­diger für Innen­ver­tei­diger – das ist so weit nicht unge­wöhn­lich. Doch dann rückte der rechte Außen­ver­tei­diger Jerome Boateng für Hum­mels ins Zen­trum und Mus­tafi auf die rechte Bahn. Auf genau jene Posi­tion also, für die eigent­lich auch Kevin Groß­kreutz vor­ge­sehen ist. Der Dort­munder aber hat einen ent­schei­denden Makel: Er ist nicht als Innen­ver­tei­diger geboren worden.

Der Riesen-Riegel bleibt

Bun­des­trainer Löw galt bisher immer als Anhänger des schönen Fuß­balls mit einem klaren Faible für die Offen­sive. In Bra­si­lien aber lebt Löw jetzt anschei­nend seine dunkle Seite aus. Gegen Por­tugal hat er vor Tor­hüter Manuel Neuer vier Innen­ver­tei­diger anein­ander gekettet, um das eigene Tor mit dem größt­mög­li­chen Boll­werk zu ver­ram­meln. Und so, wie es aus­sieht, hat Löw auch wei­terhin die Absicht, eine Mauer zu errichten. Der Riesen-Riegel bleibt, egal welche Spieler ihm heute gegen Ghana zur Ver­fü­gung stehen.

Mats Hum­mels hat ges­tern im WM-Sta­dion von For­ta­leza zumin­dest am Abschluss­trai­ning teil­ge­nommen, nachdem er wegen seiner Ein­blu­tung im Ober­schenkel seit dem Por­tugal-Spiel hatte pau­sieren müssen. Ob er heute wirk­lich gegen Ghana spielen kann, wird sich ver­mut­lich kurz­fristig ent­scheiden. Ich würde die Abwehr ungern umge­stalten“, sagte Löw. Doch auch für den Fall, dass Hum­mels aus­fiele, haben wir gute Lösungen“. Laut Löw können Shko­dran Mus­tafi oder Mat­thias Ginter in der Innen­ver­tei­di­gung spielen, oder Jerome Boateng rückt von rechts ins Zen­trum und Mus­tafi über­nimmt die rechte Außen­bahn. Dies ist die wahr­schein­li­chere Variante.

Noch´n Innen­ver­tei­diger!

Noch vor zwei Wochen hat das Publikum mit Erstaunen zur Kenntnis genommen, wie Löw auf den kurz­fris­tigen Aus­fall von Marco Reus für die WM reagiert hat. Anstatt für den Offen­siv­spieler einen Offen­siv­spieler nach­zu­no­mi­nieren, ent­schied sich der Bun­des­trainer für Shko­dran Mus­tafi, den Innen­ver­tei­diger von Sam­pdoria Genua. Allzu große Ein­satz­chancen bei der WM wurden ihm nicht ein­ge­räumt, doch schon nach dem ersten Spiel sind der­ar­tige Deu­tungen hin­fällig. Löws Ent­schei­dung für Mus­tafi erscheint jetzt in einem ganz anderen Licht. Von Innen­ver­tei­di­gern kann der Bun­des­trainer bei diesem Tur­nier offenbar gar nicht genug kriegen.