Die Weser
Den Auf­takt der heu­tigen 11 des Spiel­tags macht die Weser, denn alleine sie hätte die häss­liche 0:7‑Heimpeitsche der Bremer ver­hin­dern können. Noch am Freitag war unklar, ob das Spiel im Weser­sta­dion würde statt­finden können, denn die Weser war von Orkan Xaver so auf­ge­schwemmt wie Boris Beckers Gesicht von was auch immer er so macht. Wie dem auch sei, ledig­lich 30 Zen­ti­meter fehlten zum Was­ser­stand von 5,5 Metern, bei dem der Fluss über die Ufer tritt und das Weser­sta­dion über­schwemmt – ein Sze­nario, das Werder-Präsi Klaus-Dieter Fischer besorgt als eine Kata­strophe“ bezeich­nete und sich anschlie­ßend erleich­tert“ gab, dass gespielt werden konnte. Wir haben Fischer wäh­rend und nach dem Spiel leider nicht fragen können. Ob seine Ein­schät­zung von Kata­strophe und Erleich­te­rung immer noch die gleiche war, darf aller­dings leise bezwei­felt werden. Und dass Orkan Xaver exakt nur so viel stürmte, dass gerade noch gespielt werden kann, passt auch irgendwie ins Bild. Schließ­lich trägt er einen bay­ri­schen Namen. 

Orkan Franck
Kaum war Orkan Xaver weg und das Spiel in Bremen konnte ange­pfiffen werden, fegte ein anderer Orkan über das Weser­sta­dion hinweg. Und das mit einer apo­ka­lyp­ti­schen Kraft, dass wir panisch die Fenster und Türen der Redak­tion ver­na­gelten und schonmal Streich­hölz­chen zogen, wen wir, nach den Prak­ti­kanten, zuerst essen würden, sollte Orkan Franck auch bis nach Berlin rei­chen und uns mit all seiner Wucht über Wochen hier ein­schließen. Dan­kens­wer­ter­weise beließ es der fran­zö­si­sche Sahnefuß mit dem Gesicht einer Schlecht­wet­ter­front dabei, ledig­lich die Bremer Defen­sive in Schutt und Asche zu legen und seine stür­mi­sche, Geg­ner­moral pul­ve­ri­sie­rende Kraft nicht auch noch auf andere Teile des Landes aus­zu­weiten. Einzig in Stutt­gart sollte man viel­leicht schon mal die Sand­säcke bereit­stellen und die Sta­di­on­tore ver­na­geln, denn laut Spiel­plan bzw. Wet­ter­vor­her­sage geht Orkan Franck am sieb­zehnten Spieltag über dem Ländle nieder.

Ailton / Johan Micoud / Ivan Klasnic
Der Klas­sen­un­ter­schied zwi­schen den Galakto-Bayern und bie­deren Bre­mern war am Samstag wirk­lich erstaun­lich. Vor allem, wenn man bedenkt, dass es nicht allzu lange her ist, dass Werder der größte Wider­sa­cher der Münchner war. Zu sehen war davon am Samstag nichts mehr, wes­halb wir alle Bremer Fans an dieser Stelle mit einer 3‑in-1-Nost­algie-Nomi­nie­rung ermun­tern wollen. Also, Freunde, sucht euch einen aus oder nehmt sie alle drei: den vom krab­belnden Kahn ver­folgten Abstauber-Klasnic, Micouds mit der Würde eines Staats­mannes aus­ge­führter Lupfer oder Ail­tons tor­schüt­zen­könig-tas­ti­scher Schlenzer zur Meis­ter­schaft. Auch wenn euch die Bayern anno 2013 schä­biger ver­mö­beln als die Halb­starken auf dem Frei­markt – den Tri­umph von 2004 nimmt euch auch das 0:7 nicht. 

Raul Boba­dilla
Seit Samstag hat die Büf­fel­herde, die der Augs­burger Angriff ist, end­gültig Zuwachs bekommen: Raul Boba­dilla, oder der Argen­ti­ni­sche Sascha Möl­ders“, wie wir ihn nennen, schoss gegen den blassen HSV sein erstes Bun­des­li­gator für den FCA. Nach seiner langen, ärger­li­chen Ver­let­zungs­pause ist Boba­dilla nun anschei­nend wieder voll da, was Coach Markus Wein­zierl neben Möl­ders und Arka­diusz Milik eine wei­tere, bul­lige Sturm­op­tion bietet. Wir stellen uns der­weil die Frage: Was machen die Augs­burger Stürmer wohl unter der Woche? Ob sie Glo­cken um den Hals tra­gend auf schwä­bi­schen Almen weiden, ab und an bal­zend mit den Köpfen gegen­ein­ander rennen und sich in den satten Wiesen um Augs­burg auf das Wochen­ende vor­be­reiten? Viel­leicht. Und was wohl pas­siert, wenn man sie im Spiel alle gleich­zeitig auf­laufen lässt? Die erste Stam­pede der Bun­des­li­ga­ge­schichte? Auch da: Vielleicht. 

Mike Frantz
Mein Name ver­pflichtet“, dachte sich am Freitag wohl Nürn­bergs Mike Frantz und mähte seinen Mainzer Gegen­spieler Joo-Ho Park derart übel um, dass Frantz’ Fast-Namens­vetter in Berlin wahr­schein­lich mit einem Schrei der Begeis­te­rung vom Sofa auf­sprang, um seinen Wand­schrank aus der Ver­an­ke­rung zu grät­schen. Tat­säch­lich war Frantz’ Grät­sche, für die er eine läp­pi­sche Gelbe Karte sah, so dirkschus­ter­haft, dass wir unser ver­gan­gene Woche an Gon­zalo Castro ver­lie­henes gestrecktes 11FREUNDE-Dirk-Schuster-Gedächt­nis­bein in Gold“ wieder zurück­for­dern müssen, denn Frantz hat diese Aus­zeich­nung mehr ver­dient. Viel­leicht machen wir aber auch einen Wan­der­pokal draus. Mal abwarten, wem nächstes Wochen­ende der innere Reifen platzt. 

Petar Slis­kovic
Die Rote Karte, um die Frantz so beid­beinig bet­telte, bekam am Freitag schließ­lich Mainz’ Petar Slis­kovic. In der Schluss­phase des Spiels bruce­leete Slis­kovic um Haa­res­breite an einem Brust­korb­bruch des geg­ne­ri­schen Kee­pers Raphael Schäfer vorbei, wor­aufhin Slis­kovic selber großes Glück hatte und nur knapp nicht vom Schwarzen Loch des Schä­fer­schen Hasses ver­schluckt wurde. Lieber ließ er sich vom Feld tragen, der Kroate zog sich in der Szene näm­lich einen Innen­band­riss zu. Ob vom Sprung oder von der Laut­stärke des Schä­fer­schen Ein­laufs, wissen wir leider nicht.

Raphael Schäfer
Immer mit­ten­drin im giftig-nicklig-rudel­bil­digem Geschehen war am Freitag Nürn­bergs Tor­hüter Raphael Schäfer. Schäfer, Gerüchten zufolge der ver­lo­rene Bruder von Frank Rost, hasste alles nieder, was auch nur seinen Straf­raum ansah. Als Slis­kovic dann auch noch zu bereits ange­spro­chenem Kung-Fu-Tritt ansetzte, war es um die über­schau­bare Rest-Con­ten­ance von Schäfer geschehen. Dem am Boden lie­genden Slis­kovic schrie Schäfer derart laut und hass­erfüllt ins Gesicht, dass Slis­kovic nun erstmal eine Weile nicht mehr zum Fri­seur gehen muss. Nach Abpfiff war der Keeper dann kurz davor, Mainz’ Manager Heidel mit dessen Schal an der Eck­fahne auf­zu­knüpfen, wenn sich nicht Sebas­tian Polter todes­mutig dazwi­schen­ge­worfen hätte. Raphael Schäfer regt sich viel auf, wenn der Tag lang ist. Das wissen wir doch“, sagte Mainz’ Trainer Thomas Tuchel nach Abpfiff. Vor allem er muss es wissen, er kennt Schäfer ja von den Anonymen Wut-oholikern. 

Sven Bender
Einen auf­mun­ternden vir­tu­ellen Klapps auf die Schulter senden wir auf diesem Wege an Dort­munds Sven Bender. In der gesamten deut­schen Sport­ge­schichte hat wohl nur Axel Schulz noch mehr auf die Fresse bekommen. Dort­munds Mit­tel­feld-Abräumer hat sich mitt­ler­weile schon so oft im Spiel die Nase gebro­chen, dass er sich nicht mehr schnäuzen darf, weil er sonst sein Nasen­bein im Taschen­tuch hält. Andere ärger­liche Ver­let­zungen zieht er sich in regel­mä­ßigen Abständen natür­lich auch zu, am Samstag etwa eine Innen­band­deh­nung samt Ein­blu­tungen in die Seh­nen­scheiden. Klingt eklig. Und auch ein biss­chen schlüpfrig. Egal, Bender wird wie­der­kommen, so wie er das immer tut. Wahr­schein­lich trägt er seinen Namen nicht zufällig, denn wie sein Namens­vetter aus Futurama“ scheint auch Dort­munds Hau­degen aus Eisen zu sein. Und das beult man eben aus und gut is…

Rafael
Mitt­ler­weile haben wir ja fast jede Woche einen der Glad­ba­cher Offensiv-Zau­berer in unserer Liste, bei den fröh­li­chen Jens-Keller-Job­center-Fest­spielen am Samstag stach diesmal Rafael heraus. Aus etwa 25 Metern hufte der Bra­si­lianer den Ball zum 1:1 in den Winkel. Ein Schuss, so humorlos wie poli­ti­sches Kaba­rett von Micaela Schäfer. Und wäh­rend sich sanft eine wei­tere Falte über Jens Kel­lers Stirn wölbte, fei­erten die Glad­ba­cher ihren Sah­ne­tor­schützen und ein Spiel, das sich bald drehen sollte. Einzig der Sta­dion-DJ fand das Tor kacke, hasste alle Men­schen und ver­fluchte alles Exis­tie­rende auf dieser Welt und im gesamten Uni­versum. Anders können wir den üblen Scooter-Tor­jingle nicht interpretieren. 

Rani Khe­dira
Herz­lich Will­kommen in der Bun­des­liga, Rani Khe­dira! Der kleine Bruder von Sami Khe­dira machte im Spiel gegen Han­nover am Samstag sein erstes Bun­des­li­ga­spiel von Beginn an und spielte dabei so einen abge­zockt-coolen Part wie einst George Clooney in Ocean’s Eleven“. Khe­dira, das sieht man schnell, ver­fügt über ähn­liche Anlagen wie sein großer, welt­klas­siger Bruder, was uns, die wir nur an Fuß­ball denken müssen um uns eine Zer­rung zuzu­ziehen, schon irgendwie nei­disch macht. Aber natür­lich gönnen wir dem jungen Khe­dira-Spross seinen geglückten Ein­stieg in die Pro­fi­kar­riere und wün­schen ihm einen ähn­li­chen Kar­rie­reweg wie seinem großen Bruder. 

Moritz Leitner
Match­winner in Stutt­gart war aller­dings nicht Rani Khe­dira, son­dern dessen Mann­schafts­kol­lege Moritz Leitner. Die Leih­gabe vom BVB zog im Stutt­garter Mit­tel­feld derart domi­nant die Strippen, dass die Ver­eins­bosse ent­schieden, Leitner möge neben­be­ruf­lich fortan auch die Tau­ziehen-Abtei­lung des VfB zu Glanz und Gloria führen. Mit seiner Spiel­ma­cher-Gala dürfte sich Leitner in der Stammelf der Stutt­garter vor­erst fest­ge­spielt haben, was nach einem eher holp­rigen Start im VfB-Trikot den Fähig­keiten des Mit­tel­feld­spie­lers eher ent­spricht als das Bank­ge­drücke zuvor.