Ralf Zum­dick, seit diesem Montag betreuen Sie als Trainer des VDV (Ver­ei­ni­gung für Vertragsfußballspieler)-Camps arbeits­lose Fuß­baller. Wie ist es, Spieler zu trai­niren, die lieber bei einem Verein statt unter ihrer Regie arbeiten würden?
Bisher läuft alles gut. Die Jungs gehen mit Elan an die Sache heran. Und das ist auch gut so, denn wir haben in der Sport­schule Duis­burg-Wedau pro­fes­sio­nelle Bedin­gungen und schaffen den Spie­lern eine Mög­lich­keit, sich auf kom­mende Auf­gaben gut vorzubereiten.

Ist es wirk­lich so ein­fach, einen wild zusam­men­ge­stellten Haufen arbeits­loser Fuß­baller zu trai­nieren?
Natür­lich bringt eine solche Grup­pen­form Dinge mit sich, die man bei einem Verein so nicht ken­nen­lernt. Des­halb sind wir auch noch dabei, die neuen Ein­drücke zu ver­ar­beiten. In so einer Gruppe ist die Leis­tungs­dichte ganz anders als in einer Mann­schaft, die am regu­lären Spiel­be­trieb teil­nimmt. Es kann auch immer sein, dass ein Spieler von jetzt auf gleich zu einem Pro­be­trai­ning ein­ge­laden wird und sich die Grup­pen­struktur dadurch ver­än­dert. Wir arbeiten außerdem nicht auf ein gemein­sames Ziel hin, wollen keine Meis­ter­schaft gewinnen oder den Abstieg ver­hin­dern. Es geht darum, die Spieler indi­vi­duell voranzubringen. 

Welche Eigen­schaften müssen Sie dabei als Trainer zeigen?
Die soziale Kom­po­nente ist wichtig. Man hat es mit Spie­lern zu tun, die vor einer unge­wissen Zukunft stehen und muss dem­entspre­chend mit ihnen arbeiten. Im Verein kann ich darauf weniger Rück­sicht nehmen. Da geht es darum, ein Team zu formen, das Erfolge ein­fährt. Es herrscht eine ganz andere Art von Druck.

Können die Spieler unter diesen Vor­aus­set­zungen über­haupt so etwas wie Team­geist ent­wi­ckeln?
Wir betreiben hier einen Mann­schafts­sport, das ist nicht anders als bei den Ver­einen. Des­halb setze ich ein gewisses Maß an Kol­le­gia­lität voraus. Wenn das ein Spieler nicht ernst nimmt, kann ich es mir auch her­aus­nehmen, ihn nach Hause zu schicken. 

Jeder Fuß­baller hat seine eigene Geschichte. Gibt es den­noch eine Mög­lich­keit, die arbeits­losen Fuß­baller aus ihrer Gruppe zu kate­go­ri­sieren?
Es gibt zwei ver­schie­dene Typen. Auf der einen Seite stehen Spieler, die seit Jahren dabei sind. Mit Chris­tian Rahn zum Bei­spiel habe ich früher beim Ham­burger SV zusam­men­ge­ar­beitet, als er sogar Natio­nal­spieler war. (Zum­dick arbei­tete zwi­schen 2003 und 2007 in Ham­burg als Kotrainer, Anm. d. Red.) Dann wie­derum gibt es junge Spieler, die sich noch nicht eta­blieren konnten, jedoch wei­terhin ver­su­chen, im Pro­fi­be­reich Fuß zu fassen. 

Das Camp geht bis zum 21. Sep­tember. Was machen Sie mit den Spie­lern, die auch dann immer noch auf Ange­bote warten?
Das könnte zu einer Gefahr werden. Diese Spieler werden mit Stim­mungs­schwan­kungen zu kämpfen haben. Es wird unsere Auf­gabe sein, viele Ein­zel­ge­spräche dar­über zu führen.

Wie werden diese aus­fallen?
Meine vor­ran­gige Auf­gabe ist es, die Spieler zu moti­vieren. Es kann aber durchaus sein, dass ich einigen Spie­lern sagen muss, dass es bei ihnen der­zeit nicht für die zweite oder dritte Liga reicht. Man muss den Spie­lern die Augen zu öffnen, auch wenn das unan­ge­nehm werden kann. Dann muss man die Leute einer­seits dazu bringen, trotzdem wei­terhin Fuß­ball zu spielen und sich viel­leicht in der Regio­nal­liga etwas zu suchen, ande­rer­seits jedoch Per­spek­tiven auf­zeigen, die es neben dem Fuß­ball noch gibt. Bei der VDV haben sie dafür die rich­tigen Ansprech­partner. Wir haben einen Mit­ar­beiter, mit dem die Spieler jeder­zeit über Kar­rie­re­pläne abseits des Platzes spre­chen können. 

Sie waren in den Acht­zi­gern und frühen Neun­zi­gern selbst Fuß­ball­profi. Hat sich die Situa­tion für arbeits­lose Fuß­baller seit dieser Zeit ver­bes­sert oder ver­schlech­tert?
Durch die VDV gibt es eine Orga­ni­sa­tion, an die sich arbeits­lose Fuß­baller mit allen mög­li­chen Pro­blemen wenden können. Doch ins­ge­samt ist es heut­zu­tage schwie­riger, Profi zu werden oder nach einer Phase der Arbeits­lo­sig­keit wieder rein­zu­kommen. Die Jugend­ar­beit ver­bes­sert sich ständig, es kommen also immer neue Talente nach. Außerdem ist der inter­na­tio­nale Markt sehr groß. Spieler, die einmal raus sind, geraten schnell in Ver­ges­sen­heit. Bei den Trai­nern ist es nicht anders.

Sie haben als Trainer der­zeit eben­falls keine feste Anstel­lung. Glauben Sie, dass auch Sie sich mit Ihrer Arbeit für neue Auf­gaben emp­fehlen können?
Auf jeden Fall lerne ich ein Umfeld kennen, das mit meinen vor­he­rigen Tätig­keiten nicht zu ver­glei­chen ist, und kann mich in diesem Zusam­men­hang wei­ter­ent­wi­ckeln. Außerdem bleibe ich im Rhythmus.

Ralf Zum­dick, die VDV wirbt damit, dass im Schnitt 80 Pro­zent ihrer Teil­nehmer einen neuen Verein finden. Wie opti­mis­tisch sind Sie, diese Quote zu errei­chen?
Ich kann nichts ver­spre­chen. Bei einigen Spie­lern bin ich mir aber jetzt schon sicher, dass sie einen neuen Verein finden werden. Wie viele das sein werden, ist schwer zu sagen. Ich kann den Spie­lern keinen neuen Verein ver­mit­teln, son­dern bin nur dazu da, sie zu moti­vieren und ihnen mit­zu­teilen, auf wel­chem Leis­tungs­stand ich sehe.

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Der­zeit (Stand: Mitt­woch, 11. Juli) trai­nieren 15 Spieler im VDV-Camp. Im Laufe der nächsten Woche wird die Kader­stärke auf bis zu 26 Akteure aus­ge­baut. Nicht alle Spieler, die sich beworben hatten, bekamen einen Platz im Camp; einige stehen noch auf der War­te­liste und rücken nach, falls ein Akteur einen neuen Verein findet. Im aktu­ellen Auf­gebot stehen fol­gende Spieler:

  • Rouven Sat­tel­maier, 24, Tor, Letzter Verein: FC Bayern München
  • Andreas Kat­zen­maier, 19, Tor, Letzter Verein: SV Sandhausen
  • Erik Domaschke, 26, Tor, Letzter Verein: Hessen Kassel
  • Thomas Unger, 27, Tor, Letzter Verein: Ale­mannia Aachen
  • Chris­tian Rahn, 33, Abwehr, Letzter Verein: SpVgg Greu­ther Fürth
  • Andy Habl, 27, Abwehr, Letzter Verein: SC For­tuna Köln
  • Alas­sane Oue­draogo, 31, Mit­tel­feld, Letzter Verein: SC For­tuna Köln
  • Abdel­kader Maouel, 24, Mit­tel­feld, Letzter Verein: Bayer Leverkusen 
  • Lars Schlich­ting, 29, Mit­tel­feld, Letzter Verein: Eth­nikos Achnas (Zypern)
  • Marcel Nolde, 27, Mit­tel­feld, Letzter Verein: FC Sachsen Leipzig
  • Taman­dani Nsa­liwa, 30, Mit­tel­feld, Letzter Verein: AEK Athen (Grie­chen­land)
  • Dennis Schulte, 22, Mit­tel­feld, Letzter Verein: 1. FC Köln
  • Daniel Chit­sulo, 29, Sturm, Letzter Verein: Preußen Münster
  • Bakary Dia­kité, 31, Sturm, Letzter Verein: Gosta­resh Foolad (Iran)
  • Olu­dare Patrick Olu­wole, 23, Sturm, Letzter Verein: SV Freudental