In Sachen Trans­fer­po­litik hatte der SV Werder Bremen in der jüngsten Ver­gan­gen­heit nicht immer ein glück­li­ches Händ­chen – zumin­dest nicht, was die Zusam­men­stel­lung einer bun­des­li­ga­taug­li­chen Abwehr­reihe betrifft. 

Nach­wuchs­ta­lent Mikael Sil­vestre wartet seit fast zwei Jahren auf seinen Durch­bruch; der Bra­si­lianer Samuel, der im Winter 2011 geholt wurde, tin­gelt weiter quer durch halb Europa; der im Sommer ver­pflich­tete und zu Nürn­berger Zeiten hoch gelobte Andreas Wolf ver­sucht inzwi­schen, den AS Monaco vor dem Abstieg in die Dritt­klas­sig­keit zu bewahren.

Bruno Galler: Die erste aus­län­di­sche Pfeife

In welche Rich­tung sich der im Januar per Aus­leih­ge­schäft ver­pflich­tete Fran­cois Affolter ent­wi­ckelt, ist noch schwer abzu­sehen. Dankbar sollte man Klaus Allofs für diesen Transfer jedoch auf jeden Fall sein. Denn der Name des Schweizer Spie­lers, der ohne das Dazutun des Bremer Sport­di­rek­tors wahr­schein­lich nie in die deut­sche Eli­te­liga gefunden hätte, erin­nert an eine schöne, längst ver­ges­sene Epi­sode inter­na­tio­naler Kontaktpflege.

Ab der Saison 1981/82 tauschten der DFB und der Schweizer Fuß­ball­ver­band in schöner Regel­mä­ßig­keit Schieds­richter aus, die in den jeweils fremden“ Ligen Punkt­spiele pfiffen. Bruno Galler hatte die Ehre, als erste aus­län­di­sche Pfeife ein Spiel zu leiten: Am 4. Spieltag besiegte Darm­stadt 98 am Böl­len­falltor den VfL Bochum mit 2:0.

Rudolf Affolter aus Zürich in Stutt­gart

Nur wenige Tage später, am 5. Sep­tember 1981, kam ein gewisser Rudolf Affolter aus Zürich – im Übrigen nicht ver­wandt mit dem aus dem zwei­spra­chigen Biel stam­menden Neu-Bremer Fran­cois – zu seinem ein­zigen Ein­satz: Borussia Dort­mund ent­führte mit Spie­lern wie Jürgen Sobieray, Lothar Huber und Man­fred Burgsmüller beim 2:0‑Auswärtserfolg über den VfB Stutt­gart zwei wich­tige Punkte im Kampf um Uefa-Pokal-Plätze (auf dem Foto: Schieds­rich­ter­ge­spann um Rudolf Affolter, daneben Mani Burgsmüller vom BVB und Her­mann Ohli­cher vom VfB Stutt­gart).

Die pro­mi­nen­testen Schweizer der dama­ligen Schieds­rich­ter­gilde wurden nach Deutsch­land ent­sandt: Der mehr­ma­lige WM-Referee Kurt Röth­lis­berger bei­spiels­weise lei­tete fünf Spiele, dar­unter gleich zweimal die Partie Bayern Mün­chen – For­tuna Düs­sel­dorf; Serge Muh­menthaler, der einst selbst in der höchsten schwei­ze­ri­schen Spiel­klasse gegen den Ball trat, bevor er zu den erfolg­reichsten Schieds­rich­tern des Landes avan­cierte, pfiff vier Bundesligapartien.

Es gab es 72 D‑Mark pro Tag

Im Gegenzug pfiffen nicht weniger als 22 Bun­des­liga-Schieds­richter aus­ge­wählte Par­tien in der Schweiz, dar­unter Größen wie Aron Schmid­huber, Dieter Pauly und der unver­ges­sene und viel zu früh ver­stor­bene Man­fred Neuner.

Für das Aben­teuer Bun­des­liga wurden die eid­ge­nös­si­schen Kol­legen im übrigen nicht besser und nicht schlechter ent­lohnt als ihre deut­schen Kol­legen – Anfang der acht­ziger Jahre gab es immerhin 72 D‑Mark pro Tag.

Mit Galler endete der Schieds­rich­ter­aus­tausch

In der Saison 1989/90, nach neun Jahren also, endete der Schieds­rich­ter­aus­tausch. Kurio­ser­weise blieb es Bruno Galler vor­be­halten, das bis heute letzte Spiel eines Schwei­zers in der Bun­des­liga zu leiten. Jener Galler, mit dem alles an einem warmen August­abend im Jahre 1981 begann. 

Wieder endete die Partie 2:0, diesmal besiegte Borussia Dort­mund am 27. Spieltag Waldhof Mann­heim. Die Begeg­nung fand im März 1990 statt – ein Jahr, bevor ein gewisser Fran­cois Affolter das Licht der Welt erblickte.