In der Bun­des­liga geht der Trend zum Jung­trainer: Jürgen Klopp (43) meis­tert den BVB, Mirko Slomka (43) coacht Han­nover 96 ins inter­na­tio­nale Geschäft, genau wie Thomas Tuchel (37) seine Mainzer. Michael Oen­ning (45) darf beim HSV wei­ter­ma­chen und in Frei­burg folgt der 45-jäh­rige Marcus Sorg, bis­lang Trainer der Regio­nal­liga-Mann­schaft, auf Robin Dutt (45). Holger Sta­nis­lawski (41) wech­selt vom FC St. Pauli nach Hof­fen­heim, um den nur unwe­sent­lich älteren Marco Pez­zai­uoli (42) zu beerben. Marco Kurz (41) vom 1. FCK kom­plet­tiert die wilde Gilde. Da zum Sai­son­ende einige Posten frei werden, stellen wir zehn Trainer vor, die ins Profil passen.

1. Mike Büs­kens
43 Jahre, Greu­ther Fürth

Blonder Hans­dampf aus Düs­sel­dorf. Schalke im Herzen, Fürth im Kopf. Becker­faustet sein Team all­wö­chent­lich am Rande des Blut­hoch­drucks nach vorne. Über­sprin­tete im Spiel gegen den Karls­ruher SC die Meter 50 Meter Distanz zu seinem Tor­schützen, dem Nige­rianer Kingsley Onuegbu, in sand­uhr­ge­stoppten 2,8 Sekunden. Legte später eine video­gene Magath-Par­odie nach, die ihn end­gültig als Quer­kopf eta­blierte. Sagte kürz­lich ganz integer dem FC St. Pauli ab und ver­län­gerte im Fran­ken­land bis 2012.

2. Peter Hyballa
35 Jahre, Ale­mannia Aachen

Deutsch­lands jüngster Pro­fi­trainer. Tut alles dafür, der damit ver­bun­denen Erwar­tungs­hal­tung zu ent­spre­chen. Drei­ta­ge­bart samt Hen­ning-Bürger-Gedächt­nis­frisur. Nennt sich trotzdem Chef“ und ver­wei­gert das High Five zur Begrü­ßung. Erin­nert in der Coa­ching Zone an Klaus Kinski. Spricht oft in Bil­dern und duzt die Reporter. Haut gerne Dinger raus. Fuß­ball ist kein Mäd­chen­mi­kado„ zum Bei­spiel, oder auch: Vom vielen Schul­ter­klopfen laufe ich rum wie Qua­si­modo“. Nennt seine Spieler Stra­ßen­köter, krault sie aber nicht hinter den Ohren. Lange Rede, fast kein Sinn: gesunde Mitte aus Kumpel und Kontrolleur.

3. Torsten Lie­ber­knecht
37 Jahre, Ein­tracht Braunschweig

Ging als Jung­trainer den schweren Weg der Kon­so­li­die­rung in Braun­schweig mit. Qua­li­fi­zierte sich für diese emo­ti­ons­ge­la­dene Galerie vor allem über seinen Auf­tritt bei der spon­tanen Braun­schweiger Auf­stiegs­feier nach dem Spiel in Unter­ha­ching. Gab da dem Mob im bier­ge­tränkten T‑Shirt und mit Mega­phon, was der ver­langte: Garan­tien für einen sechs­wö­chigen Fei­er­ma­ra­thon. Redet seine Mann­schaft in außer­plan­mä­ßigen Park­pick­nicks stark und sagt: Attrak­tiver Fuß­ball ist Leidenschaft.“

4. Markus Wein­zierl
36 Jahre, Jahn Regensburg

Pen­delt im Auf­treten zwi­schen betuchtem Segel­schüler und Jung­ma­nager einer boo­menden Web 2.0‑Idee. Mal quer­ge­streifte Baum­wolls­leeves, dann wieder Pul­lunder über Hemd­kragen. Pfeift seine Spieler beid­händig an die Sei­ten­linie, wenn ihm was gegen den Strich geht. Schrieb sich nach seinem ver­let­zungs­be­dingten Kar­rie­re­ende für ein Lehr­amts-Stu­dium ein, schiebt seither die nötigen Prü­fungen auf. Streber mit epi­so­den­hafter Egal-Hal­tung, der in Regens­burg finan­zi­elle Lücken mit adre­na­linge­trie­bener Moti­va­tion stopft.

5. Mirko Dick­haut
40 Jahre, KSV Hessen Kassel

Zuge­geben, Mirko Dick­haut asso­zi­iert man nicht sofort mit lei­den­schaft­lich-schöner Fuß­ball­kunst. Dabei stand der ehe­ma­liger Spieler vom VfL Bochum und Ein­tracht Frank­furt 1996 sogar im Fokus von Berti Vogts, wäre fast mit zur EM nach Eng­land gefahren. Sollte vor zwei Wochen in Kassel ent­lassen werden, trotz Tabel­len­platz 1 in der Regio­nal­liga Süd. Kon­terte die gei­fernden Reporter locker: Ich bin beauf­tragt, heute das Trai­ning zu leiten.“ Diese Gelas­sen­heit braucht es für höhere Auf­gaben. Meist Typ Stu­di­enrat – aber auch Stu­di­en­räte können explodieren.

6. Frank Schmidt
37 Jahre, 1. FC Heidenheim

Sagt von sich und seiner Mann­schaft, man könne sehr gut feiern. Glaubt diesen Ruf auch über­re­gional ver­breitet. Die Vehe­menz, mit der er öffent­lich gegen Hof­fen­heim-Ver­gleiche vor­geht, ist erst­li­ga­reif. Aber auch Schmidts Faible und Händ­chen für Jugend­ar­beit lassen auf­hor­chen. Dieser Mann zim­mert auch aus der RTL-Mäd­chen­gang eine adrette Gruppe Pfadfinderinnen.

7. Martin Schmidt
44 Jahre, Mainz 05 II

In Mainz werden dyna­mi­sche Jung­trainer ganz offen­sicht­lich am Fließ­band gefer­tigt. Martin Schmidt sieht sich, Alt­ro­cker­matte und Tao-Anhänger tra­gend, auch als Berater und Seel­sorger“. Ein schwei­ze­ri­scher Domian also, dessen Vita fast so schil­lernd daher­kommt wie die von Mick Jagger. Der gelernte Auto­me­cha­niker schraubte schon in der DTM und leitet mit seinen Schwes­tern eine Tex­til­firma. Beim FSV lobt man so ein Quer­ein­stei­gertum als positiv ver­rückt“. Von Schmidt heißt es, er begeis­tere seine Spieler in lauten Anspra­chen. Aus ver­balen Schar­müt­zeln kann sich der erklärte Fan bri­ti­scher Fuß­ball­phi­lo­so­phie (schnör­kellos, attraktiv, offensiv) jodelnd retten: mit seiner Trach­ten­gruppe tourt er jeden Sommer über Feste und Messen.

8. Michael Hart­mann
36 Jahre, Hansa Rostock

Durfte einst in der deut­schen Natio­nal­mann­schaft unter Rudi Völler gegen Ser­bien-Mon­te­negro debü­tieren. Undankbar, und des­halb folgten auch nur drei wei­tere Auf­tritte mit dem Adler auf der Brust. Ließ seinen Frust an der A‑Jugend von Hansa Ros­tock aus, die gewann vor lauter Angst die Meis­ter­schaft 2010. Arbeitet als Trainer gerne mit Sozi­al­päd­agogen und Psy­cho­logen zusammen, braucht selbt angeb­lich keinen. Hart­mann, Typ Son­nyboy mit Boden­haf­tung, wird seinen Weg gehen. Unter Peter Voll­mann aktuell Co-Trainer bei Hansas 1. Mann­schaft. Aber schon Darth Vader begehrte einst gegen seinen Meister auf (unnö­tige STAR-WARS-Referenz).

9. Sascha Lewan­dowski
39 Jahre, Bayer Lever­kusen U19

Lacht sehr viel. Ob er weint, ist nicht bekannt. Sollte sich für jeden Junior, der den Sprung zu den Profis schafft, end­lich Hand­geld zahlen lassen. Ist weder ver­wandt noch ver­schwä­gert mit dem Dort­munder Chan­centod Robert. Viel­leicht schießt seine U19 auch des­halb so viele Tore. Die Bayer-Bosse attes­tieren ihm über­ra­gende Arbeit“ und ver­län­gerten des­halb bis 2014. Noch ein Grund zu lachen.

10. Sven Kah­lert
40 Jahre, 1. FFC Frankfurt

Trai­niert die Frauen aus Frank­furt. Im Jahr der WM sicher­lich keine schlechte Refe­renz, um auf sich auf­merksam zu machen. Kann einen Pokal, das bewies er auf dem Römer, sehr lange mit einer Hand stemmen. Kann auch: sehr gut mit­leiden an der Sei­ten­linie. Zwi­schen ita­lie­ni­scher Tra­gödie und grie­chi­schem Lust­spiel. Stählte seine Mann­schaft im River Raf­ting auf dem Rhein, ließ dem ein Grill­abend und Bogen­schießen folgen, dann auch noch denn Wies­ba­dener Klet­ter­wald Ner­oberg. Mount Magath“ ist nichts dagegen. Müsste im Her­ren­be­reich wahr­schein­lich den Everest besteigen, um seiner Idee von Team­buil­ding gerecht zu werden.