Mann zu sein ist eigent­lich nichts Schlechtes: es schickt sich, selbst im Alter noch zu spielen, ob auf dem Bolz­platz oder vor dem Com­puter. Wie die ganz Großen kann man etwa beim FIFA Soccer Manager die besten Fuß­ball­spieler dieser Welt kaufen, seine Traum­mann­schaft zusam­men­stellen und zeigen, wie der Hase hop­pelt. Wer sich klug anstellt, häuft ein paar hun­dert Mil­lionen an und ver­pflichtet Messi, Robben oder Özil.

Schließ­lich spielt es sich mit Geld im Fuß­ball leichter, eigent­lich sogar ganz ein­fach. Lange Zeit war doch dies das Rezept des Erfolges: Man nehme viel Geld, kaufe sich die besten Spieler und gewinne die Pokale dieser Welt. Der FC Chelsea, Inter Mai­land, Real Madrid und Man­chester City gehören zu den großen Ver­fech­tern dieser simplen aber kost­spie­ligen Angelegenheit.

Schwer­reiche Rotzlöffel

Man stelle sich vor, dass ein paar schwer­reiche Rotz­löffel gemeinsam vor ihrer Spiel­kon­sole gesessen haben und ganz plötz­lich genug davon hatten, die Spieler nur vir­tuell zu besitzen. Sie wollten mehr, schließ­lich kann man sich mit Geld ja alles kaufen. Einer dieser ver­wöhnten Buben war der rus­si­sche Ölmil­li­ardär Roman Abra­mo­witsch. 2003 kaufte er den FC Chelsea, das Mär­chen des rei­chen Mannes auf dem Schimmel begann. War der Verein eben noch so gut wie pleite, stellte der Gönner en masse Blan­ko­schecks aus um sich die Mann­schaft ordent­lich auf­zu­pimpen. Sein Trai­ning am PC zahlte sich aus: Drei Mal gewann Chelsea seitdem die eng­li­sche Meisterschaft.

Und plötz­lich ist es unter Mil­li­ar­dären en vogue, sich einen Fuß­ball­club zu halten: die Hälfte der eng­li­schen Pre­mier-League-Klubs hat in den ver­gan­genen Jahren den Besitzer gewech­selt. Am besten geübt zu haben scheint aber Scheich Man­sour Bin Zayed Al Nahyan, Mit­glied der Herr­scher­fa­milie von Abu Dhabi. 2009 kaufte er Man­chester City.

Ein Tra­di­ti­ons­verein ohne Können

Deut­sche Ver­eine blieben vom ara­bi­schen Geld­segen bis­lang unbe­rührt. Dies soll sich nun ändern. Ein bis­lang mys­te­riöser Investor aus Abu Dhabi soll den vor der Pleite ste­henden Verein 1860 Mün­chen retten. Nachdem die Süd­deut­sche Zei­tung bis­lang spe­ku­lierte, bekam der unbe­kannte Geld­geber end­lich einen Namen: Hasan Abdullah Ismaik. Auch wenn sein Ver­mögen zum größten Teil aus Abu Dhabi stammt, ist Ismaik Jor­da­nier. 49 Pro­zent der Klub­an­teile will oder viel eher darf er laut der Sta­tuten der Deut­schen Fuß­ball-Liga (DFL) kaufen.

14 Mil­lionen Euro will Ismaik dafür hin­blät­tern. Ges­tern stat­tete er Mün­chen einen kurzen Besuch ab, nun lässt er den Verein durch­leuchten, sämt­liche Papiere werden über­setzt. Damit aber nicht genug: Er will kräftig weiter zahlen, um sich viele hüb­sche Spieler ein­zu­kaufen. Frag­lich bleibt nur die Moti­va­tion des Käu­fers. Wäh­rend Man­chester City wenigs­tens beim Kauf in der ersten Liga spielte, macht 1860 Mün­chen der­zeit nicht einmal mehr in der zweiten Bun­des­liga eine anstän­dige Figur. Zwar nennt sich der Klub stolz Tra­di­ti­ons­verein, mit Können hat das zur­zeit aber wenig zu tun. Es bleibt abzu­warten, ob die bal­digen Mil­lionen den Verein in die erste Liga spülen.

Das Finale von Mün­chen ohne die Bayern? Eine Katastrophe

Als die ersten wagen Spe­ku­la­tionen auf­kamen, machte sich die Ver­mu­tung breit, der geheim­nis­volle Mäzen habe sich nur im Verein geirrt: Denn auch der Lokal­ri­vale, der FC Bayern Mün­chen, sorgt seit Wochen für Nega­tiv­schlag­zeilen: Der erfolgs­ver­wöhnte Klub hat am ver­gan­genen Samstag eine trau­rige Vor­stel­lung gegen Borussia Mön­chen­glad­bach abge­geben, das Schluss­licht der Tabelle. Gefreut über den Sieg hat sich am Ende wohl keiner, Fans und Spieler waren ledig­lich erleich­tert, end­lich den ersehnten dritten Platz erklommen zu haben. Sollten die Bayern diesen begehrten Platz nicht ver­tei­digen können, ver­fehlen sie die Teil­nahme an der Königs­klasse, ein unvor­stell­bares Desaster. Schließ­lich findet das Cham­pions League-Finale im kom­menden Jahr in Mün­chen statt.

Von sol­chen Pro­blemen kann der Lokal­ri­vale 1860 Mün­chen nur träumen. Zwar hat der Zweit­li­gist am Wochen­ende gegen Aachen ver­loren, aber dies ist noch das kleinste Pro­blem des TSV. Der Verein steht kurz vor der Insol­venz, kann seine Spieler nicht mehr bezahlen. Der unge­liebte Stadt­ri­vale hat seine Hilfe ange­boten. Und genau diese holde Geste des Prä­si­denten Uli Hoeneß lenkte am Samstag von dem schä­bigen Kick des Rekord­meis­ters ab: In müh­samer Arbeit bas­telten die Fans Spruch­bänder und griffen Hoeneß an: Wer den Blauen Mil­lionen zuschiebt, hat unser Ver­trauen nicht verdient.“

Der neue Mann auf dem Schimmel

Aber auch die Fans der anderen Seite sind von der Hilfe wenig begeis­tert. Lieber würden sie bis in die fünfte Liga absteigen als sich weiter vom FC Bayern helfen zu lassen. Und mitten in diese vor­schul­klas­sen­reife Vor­stel­lung kleiner belei­digter Jungs gesellt sich nun eben dieser neue Mann auf dem Schimmel.

Er hat sich auch in Eng­land umge­schaut, reist herum und sucht sich seinen Verein genau­es­tens aus. Es erin­nert stark an das Hobby einer Frau, die nach Paris oder New York zu einer Moden­schau fährt, um sich die neu­esten Desi­gner­fummel zu erstei­gern. Der Mann von heute reist nach Eng­land oder nun auch Deutsch­land und sucht sich seinen Verein der Herzen.

Feuer fing der gute Mann vor drei Wochen in Mün­chen, als die Welt des FC Bayern gerade unter­ging. Es war der Tag, an dem der FCB in der letzten Minute doch noch das Vier­tel­fi­nale der Cham­pions League ver­passte. Aber die Dra­matik schien Ismaik über­zeugt zu haben. Schon jetzt spricht er von wir“ und uns“, will am Samstag nach Mün­chen fliegen und das Spek­takel gegen Cottbus mit­er­leben. Er hat Großes vor, die erste Liga, will den Macht­kampf zwi­schen Man United und Man City nach Mün­chen bringen, TSV gegen FC, rot gegen blau.

Alle Ver­träge liegen auf Eis

Das Geld des Golfa­ra­bers ist allen am liebsten: Uli Hoeneß ist es wurscht“, von wem es kommt, Haupt­sache es kommt. Und wäh­rend die einen Fans den anderen nichts gönnen, wollen die anderen es nicht haben. Dass der Investor Ein­fluss im Ver­eins­ge­schehen nehmen wird, ist allen Betei­ligten nicht so wichtig. Sämt­liche Ver­träge liegen auf Eis, neue Ver­hand­lungen erfolgen erst nach der Über­nahme und nur mit Abstim­mung des Mannes am Joystick.

1860 hofft wohl ein­fach, dass er gemeinsam mit seinen Spiel­ka­me­raden das raue Geschäft des Fuß­balls zu Hause geübt hat. Viel­leicht schafft der Klub es mit etwas Geld und den rich­tigen Spie­lern schon bald in die erste Liga. Dann können sich die Fans wie kleine Jungs schon bald zu ihren Derbys treffen und sich von Ange­sicht zu Ange­sicht mit den selbst gebas­telten Spruch­bän­dern hän­seln. So macht man das eben unter Männern.


Dieser Text wurde uns freund­li­cher­weise zur Ver­fü­gung gestellt von zenith – der Zeit­schrift für den Orient. www​.zeni​thon​line​.de