Ste­phen Bywater ist Stamm­tor­hüter von Derby County und gilt auf der Insel als Trou­ble­maker“. Da wären zunächst die Inter­views. Bywater hat sich durch viele extro­ver­tierte Auf­tritte eine äußerst ambi­va­lente Repu­ta­tion erar­beitet. Inter­es­san­ter­weise waren es in den meisten Fällen Inter­views, in denen er gar nicht zu den Befragten gehörte. Der erklärte Kampf­sport­freund zeigte sich von diesem Umstand aller­dings oft völlig unbe­ein­druckt.



Im Gegen­teil, er ver­mochte es immer wieder, den Befra­gungen von Mann­schafts­kol­legen seinen Stempel auf­zu­drü­cken. Giles Barnes unter­brach er mit der laut­stark vor­ge­tra­genen Anre­gung, doch mal das Geschlechts­teil her­aus­zu­holen. Robbie Savage über­goss er vor lau­fender Sky Sports“-Kamera mit einem Drink. Die Kol­legen von Rupert Mur­dochs Bezahl­fern­sehen packen mitt­ler­weile ver­mut­lich das Equip­ment ein, wenn Bywa­ters statt­liche Sil­hou­ette den Hori­zont ver­dun­kelt. Immerhin war Sky Sports“-Frontfrau Clare Tom­linson mal zwei Monate krank­ge­schrieben, weil sie in einem beson­ders ver­we­genen oder unfassbar umnach­teten Moment zuge­stimmt hatte, Bywater zu Goals on Sunday“ ins Studio ein­zu­laden.

Eine kleine Anek­dote über das C‑Wort“

Der nutzte prompt die Gele­gen­heit, um im Rahmen einer kleinen Anek­dote das soge­nannte C‑Word“ zu buch­sta­bieren, das gemeinhin als abfäl­lige Umschrei­bung für das pri­märe weib­liche Geschlechts­organ Ver­wen­dung findet. Tom­linson rang anschlie­ßend mit Stress­sym­ptomen. Lange war unklar, ob sie über­haupt vor die Kamera zurück­kehren würde. Bywater hin­gegen setzte seine Kar­riere unbe­schwert fort. Bei seiner Fas­zi­na­tion für Geschlechts­or­gane ist es keine Über­ra­schung, dass er kürz­lich mit der Eröff­nung einer ero­ti­schen Kunst­aus­stel­lung“ in seinem Garten erneut ins öffent­liche Ram­pen­licht geriet. Ein mit Graf­fiti beschmierter Pfer­de­an­hänger, ein bekra­keltes Dixi-Klo, ein paar alte Matratzen und eine auf­blas­bare Gum­mi­puppe ver­setzten die Bewohner seiner kleinen Hei­mat­ge­meinde in Der­byshire in Auf­ruhr. Viele Men­schen haben ein Hobby und meines ist die Kunst“, ver­tei­digte sich der unver­stan­dene Künstler zunächst gegen die Vor­würfe. Wenig später ent­schul­digte er sich jedoch bei den Derby-County-Fans und seinen Nach­barn und stellte die Expo­nate bei Ebay ein.

Trou­ble­maker oder Spinner, das Eti­kett ist egal. Wir müssen Ste­phen Bywater dankbar sein. Schließ­lich drückt er sich aus, öffent­lich und auf seine eigene Art und Weise, ohne vorher einen Agenten oder die Pres­se­ab­tei­lung anzu­rufen. In Zeiten immer restrik­ti­verer Medi­en­po­litik bei den Ver­einen ist das erfri­schend. Mit Argus­augen wachen die Ver­ant­wort­li­chen dar­über, dass keine unge­fil­terten Infor­ma­tionen mehr in die Öffent­lich­keit gelangen. Natür­lich ist das nicht immer zu ver­hin­dern. Aber das Bemühen ist all­ge­gen­wärtig. Und den meisten Spie­lern ist das sehr recht. Unter dem Vor­wand der soge­nannten Pro­fes­sio­na­lität und dem Ver­weis auf die Unver­fro­ren­heit der Medien“ wird abge­schirmt und gegüns­telt, was das Zeug hält. In bester Guts­her­ren­ma­nier wei­gert sich Alex Fer­guson seit nun­mehr sechs Jahren, mit der BBC“ zu spre­chen, weil der Sender sei­ner­zeit die Trans­fer­ge­schäfte seines Sohnes Jason kri­tisch unter die Lupe genommen hatte. Dieser Tage will die Pre­mier League über ein Buß­geld für Sir Alex ent­scheiden.

Wann folgt Foo­tie­leaks“?

Die Wir­kung der zuneh­menden Ver­kap­se­lung ist deut­lich spürbar: Viele Inter­views und Pres­se­kon­fe­renzen ver­kommen zu banalen Plap­pe­reien. Und wenn es einmal kri­tisch oder gar unan­ge­nehm wird, folgt sofort der suchende Blick zum stets anwe­senden Pres­se­of­fi­zier. Da darf es keinen über­ra­schen, dass Ste­phen Bywater unter diesen Umständen als Trou­ble­maker gilt. Wenn beide Lager immer weiter aus­ein­an­der­driften und Spe­ku­la­tion auf einmal zum Hand­werk gehört, kann es nur eine Frage der Zeit sein, bis nach Wiki­leaks“ auch Foo­tie­leaks“ den Weg ins Netz findet.