Die deut­schen Euro­pa­meis­te­rinnen taten es kürz­lich in Frank­furt. Lukas Podolski und die Natio­nal­mann­schaft taten es zuletzt bei der Euro 2008 in Bern. Und selbst Oliver Kahn for­derte einst sich hin­zu­setzen („Hin­setzen!“), ihm die fünf Buch­staben zu geben („Gebt mir ein H!“), um anschlie­ßend ent­hemmt mit den Fans im Qua­drat zu hüpfen.



Ent­gegen der land­läu­figen Annahme fei­erte „„Humba Täterä“, wie der Song im Ori­ginal heißt, seine Pre­miere nicht im Fuß­ball­sta­dion. Das Stück wurde aus dem Mainzer Kar­neval impor­tiert und mit­tels Mega­phon zu einem wich­tigen Ele­ment des modernen Sta­di­onju­bels. Nicht zuletzt durch die pro­spe­rie­rende Ultra“-Bewegung. 

Wem haben wir das zu ver­danken? Einem Kerl mit dem wun­der­li­chen Namen Ernst Neger.
Ernst Neger war in seinem Leben schon Dach­de­cker­meister, Schla­ger­sänger und Träger des Bun­des­ver­dienst­kreuzes. Seine Berühmt­heit erlangte er als Ikone der Mainzer Fast­nacht. Mit Titeln wie Heile, heile Gänsje“ und Wini wini wana wana“ erfreute er die schun­kelnden Herzen der Mainzer. Zu wahrer Unsterb­lich­keit brachte ihn 1964 aber erst sein Auf­tritt in der ARD-Sen­dung Mainz wie es singt und lacht“: Das von Toni Häm­merle kom­po­nierte und erst­mals gespielte Humba Täterä“ ent­zückte das Saal­pu­blikum der­maßen, dass die Sen­dung um eine Stunde über­zogen werden musste. Häm­merle wurde zum Spit­zen­ver­diener; alleine das Humba“-Lied brachte ihm knapp 60.000 D‑Mark Tan­tiemen ein. Und die Bild“-Zeitung berich­tete, dass deut­sche Ent­wick­lungs­helfer in Afrika fortan Auf­klä­rungs­ar­beit leisten mussten: Die Ein­hei­mi­schen hielten den Song im stamp­fenden Rhythmus näm­lich fälsch­li­cher­weise für die deut­sche Natio­nal­hymne.

60.000 D‑Mark für die erste Humba“

Noch heute sind Negers Lieder Bestand­teil jeder Mainzer Kar­ne­vals­sit­zung. Knapp dreißig Jahre nach der Urauf­füh­rung adap­tierten die Fans den Hit für das Fuß­ball­sta­dion. Der Kar­ne­vals­verein“ aus Mainz, der das von geg­ne­ri­schen Fans eigent­lich als Pro­vo­ka­tion ange­dachte Image frei­willig über­nahm, fei­erte seit Mitte der Neun­ziger Jahre seine Siege mit der Zele­brie­rung der Humba“. Das ist schon ein Stück Mainzer Lebens­freude. Gibt es eine bes­sere Aus­zeich­nung für unsere Fans, für Mainzer, als dass die deut­sche Natio­nalelf das beim letzten Spiel in Wem­bley vor der deut­schen Kurve gezeigt hat?“, freute sich Prä­si­dent Harald Strutz kürz­lich im 11FREUNDE-Inter­view. 

Die Humba“ wurde spä­tes­tens 2008 nach dem EM-Vier­tel­fi­nal­sieg der Deut­schen gegen Por­tugal einem bun­des­weiten Publikum bekannt: Lukas Podolski, pas­sen­der­weise Sohn der Kar­ne­vals­hoch­burg Köln, for­derte die Fans damals vor den lau­fenden Fern­seh­ka­meras im Basler St. Jakob-Park zum kol­lek­tiven Hin­setzen!“ auf.

Da lasse ich mich lieber aus­pfeifen“

Mitt­ler­weile gehört die Humba“ in allen deut­schen Sta­dion Deutsch­lands zum gän­gigen Fan-Reper­toire. Doch nicht alle zeigten sich erfreut von dem Rhein­land-Pfäl­zi­schen Glücks­ge­fühl. Rudi Völler etwa kri­ti­sierte, dass durch die zuneh­mende Insze­nie­rung des Spiels der eigent­liche Fuß­ball in den Hin­ter­grund rücke: Da führen die Bayern 4:0, und von den Mainzer Fans kommt ein Humba, Humba, täterä‘. Es kann doch nicht wahr sein, dass bei so einem Spiel­stand Par­ty­stim­mung herrscht. Da lasse ich mich lieber beschimpfen oder aus­pfeifen.“

Oliver Kahn schien – zumin­dest nach Siegen – anderer Mei­nung zu sein. Dann gönnte sich der auch der Titan“ seine Humba“. Und hin­ter­ließ einen ver­wun­derten Trainer Ottmar Hitz­feld: Ich war über­rascht, wie der Oliver da herum gehüpft ist.„ Was wohl Ernst Neger gesagt hätte?


Der Hit im Ori­ginal




Unsere Humba-Top‑5

1. Oliver Kahn, die Humba („Wie heißt das noch mal?“) als Impe­rativ



2. Artus W., das Sex­symbol aus Ost­west­falen




3. Humba-Nach­hilfe für Logan Bailly




4. Owo­mo­yela mit ein paar Schwie­rig­keiten




5. But­schers Stimme über­schlägt sich leicht“