Schon als Kinder schwärmten wir von Schalke 04. Das fast legen­däre Krei­sel­spiel des sie­ben­ma­ligen deut- schen Fuß­ball­meis­ters zog in den 30er- und 40er-Jahren Mil­lionen in seinen Bann. »Besser kann man nicht mehr Fuß­ball spielen«, hieß es bei­spiels­weise nach dem 9:0‑Endspielerfolg 1939 über Admira Wien, Fritz Szepan und Ernst Kuzorra setzten damals das Maß.



Schalke war in Deutsch­land eine Aus­nah­me­erschei­nung: Inner­halb von zehn Jahren standen die Königs­blauen neunmal im Finale. Der Name-Schalke 04 war damals – ohne Fern­sehen und nur mit einem simplen Volks­emp­fänger – auch für jene Leute ein Begriff, die sich kaum mit Fuß­ball beschäf­tigten. 32 Jahre später durften wir die erste echte Neu­auf­lage des dama­ligen Schalker Krei­sel­spiels mit­er­leben. Und es kommt fast einer Tra­gödie für den Fuß­ball­sport gleich, dass aus­ge­rechnet das beste Spiel, das viel­leicht jemals eine deut­sche Ver­eins­mann­schaft bot, den Mil­lionen schon erwar­tungs­voll vor den Bild­schirmen sit­zenden Fern­seh­zu­schauern in letzter Stunde vor­ent­halten wurde. Eine bes­sere Wer­bung für den Fuß­ball­sport als Mön­chen­glad­bachs Gala­vor­stel­lung gegen Inter Mai­land hätte es gar nicht geben können. 

Kein gutes Image  

Was der deut­sche Meister den leider nur 27.500 Zuschauern bei diesem 7:1 über den ita­lie­ni­schen Titel­träger vor­zau­berte, hätte von der ersten bis zur letzten Minute in jedes Fuß­ball-Lehr­buch gehört. Daß die Über­tra­gung an ein paar lum­pigen Tau­send­mark­scheinen schei­terte, muß man tat­säch­lich als unmög­liche“ Lösung bezeichnen: Hätten die Borus­sen­spieler näm­lich vorher gewußt, daß sie vor einem Spiel standen, wie sie es in dieser Voll­endung und Per­fek­tion wahr­schein­lich nie wieder bringen werden – jeder ein­zelne hätte wohl die Summe, an der die Über­tra­gung schei­terte, aus der eigenen Tasche bezahlt. Dass es dem Mön­chen­glad­ba­cher Vor­stand in dieser – für den sport­be­geis­terten Fern­seh­zu­schauer skan­da­lösen – Affäre ums Prinzip ging, muß man gelten lassen. Dass er damit jedoch »seine« Anhänger in Mün­chen, Berlin und Ham­burg im Stich ließ, trägt nicht gerade zu seinem guten Image bei. Ganz bestimmt hätte man von diesem so cle­veren und geschäfts­tüch­tigen Vor­stand etwas mehr Klug­heit erwartet – im Inter­esse des Sports.