Herr Beeck, Sie haben 2005 ihre Spiel­erlauf­bahn bei Cottbus beendet. Seit 2007 sind sie Sport­di­rektor bei Union Berlin. Ein länger gehegter Wunsch?

Mit Wün­schen und Träumen ist das so eine Sache, wenn man auf­hört, Fuß­ball zu spielen. Ich musste ja ver­let­zungs­be­dingt (Anm. d. Red.: lang­wie­rige Knie­ver­let­zung) auf­geben, weil mir wirk­lich alles wehtat. Und dann ist man auch froh, dass es zu Ende ist. Ich hätte sicher­lich noch lie­bend gerne viele Jahre schmerz­frei weiter Fuß­ball gespielt, aber die Mög­lich­keit bestand nicht. Beim 1. FC Union Berlin besteht die Chance von der Ober­liga in den bezahlten Fuß­ball zurück­zu­kehren. Diese Mög­lich­keit und meine Anfangs­jahre als Fuß­baller hier machen es aus. Hier kann ich vieles zurück­geben, was ich als Spieler bekommen habe. 



Dabei müssen sie mit­unter hart durch­greifen. Anfang Januar haben Sie Steven Ruprecht sus­pen­diert, da er Torsten Mat­tuschka die Freundin aus­ge­spannt hatte. Und im April musste bereits Guido Spork wegen wie­der­holter Eska­paden gehen. 

Ich will das gar nicht mit Härte ver­binden. Ich glaube, dass es wichtig ist, das große Ganze nicht aus den Augen zu ver­lieren. Daher hätte jeder andere an unserer Stelle genauso gehan­delt. Es gibt ein­fach Situa­tionen, in denen man han­deln muss. Bei Steven Ruprecht und Guido Spork war das der Fall. 

Das heißt, sie mussten gehen, um den Team­geist zu wahren?


Ja, denn in einer Fuß­ball­mann­schaft ist so ein Ver­halten nicht hin­zu­nehmen. Ich weiß, dass so etwas wie bei Steven an jeder Stra­ßen­ecke pas­siert, aber im Fuß­ball geht das nicht. Wenn das Ver­trauen zum wie­der­holten Male miss­braucht wurde, dann muss man eine Ent­schei­dung treffen, auch wenn die dann sehr hart ist.

Neben dem Platz sorgten Union-Fans zuletzt für Negativ-Schlag­zeilen. Das Freund­schafts­spiel in Ros­tock stand vor dem Abbruch. Zuvor wurde beim Hal­len­tur­nier in Berlin randaliert.

Ich glaube, dass jeder Ein­zelne auf den Rängen und dem Rasen eine Ver­ant­wor­tung hat. Wir sollten gut auf­passen, was um uns pas­siert, und auch bereit sein ein­zu­schreiten, wenn Dinge pas­sieren, die nicht pas­sieren dürfen. Dazu gehören solche Geschichten wie in der Söm­me­ring-Halle und im Ostseestadion. 

Wie haben Sie per­sön­lich die Zwi­schen­fälle in Ros­tock erlebt?

Ob Hansa-Fan, Union-Fan, oder jeder andere Fan: Ich ver­stehe es nicht und bin noch immer über­rascht, welch hohes Aggres­si­ons­po­ten­tial die Leute in sich tragen. Men­schen, die zivi­li­siert gekleidet sind und wie Ver­si­che­rungs­ver­treter aus­sehen, haben mit einer ver­balen Aggres­sion Druck abge­lassen, dass mir die Worte fehlen. Das Bild ist fast überall das gleiche, egal ob Sie nach Ros­tock, Essen, Frank­furt am Main oder Osna­brück schauen. Das finde ich Besorgnis erregend. 

Was pas­siert denn mit den­je­nigen, die die Feu­er­werks­körper aus dem Ber­liner Block ins Ost­see­sta­dion geschossen haben? 

Unser Sicher­heits­be­auf­tragter beob­achtet das Ganze sehr intensiv. Wir werden uns bemühen, die Ver­ant­wort­li­chen zu finden. Aber das weite fried­liche Spek­trum, das das Fan­da­sein des Ver­eins her­gibt, sollte wegen ein paar Idioten nicht ver­gessen werden. Es ist wirk­lich bemer­kens­wert, wie viele ver­schie­dene Men­schen aus unter­schied­li­chen Gesell­schafts­schichten am Sta­di­on­umbau (Anm. d. Red.: Da das Ber­liner Heim­sta­dion, die »Alte Förs­terei«, umge­baut wird, trägt Union seine Spiele zunächst im Jahn­sport­park aus). Ob Psy­cho­logen, Archi­tekten oder Flie­sen­leger: Alle haben unent­gelt­lich sogar bei Tem­pe­ra­turen von minus 18 Grad geholfen. Auch ich habe einen halben Tag lang Beton abgezogen.

Was wird das Beson­dere sein an der neuen »Alten Försterei«?


Wir werden kein rie­siges Sta­dion mit vielen Sitz­plätzen haben. Dafür aber eine sehr enge Fuß­ball­arena, in der unheim­lich viele Men­schen stehen, Bier trinken, Brat­wurst essen und Ziga­retten rau­chen können. In dieser Form ist das in Deutsch­lands Fuß­ball­sta­dien nicht mehr mög­lich. Die Stim­mung im Sta­dion wird durch das Dach ent­spre­chend an Laut­stärke gewinnen, die Atmo­sphäre wird sen­sa­tio­nell sein. So wollen wir uns prä­sen­tieren, auf unserem eigenen Grund­stück. Das wird uns von fast allen anderen Ver­einen fun­da­mental unterscheiden. 

Mit neuem Sta­dion im Rücken steht Union am Ende der Saison…

Ich wün­sche uns, auf einem der ersten beiden Plätze zu landen. Damit ten­diere ich eher weg von unserem kauf­män­ni­schen Geschäfts­führer, der sich natür­lich die Rele­ga­tion wünscht, um ein aus­ver­kauftes Spiel und eine volle Kasse zu haben. Ich möchte am Ende gerne auf Platz eins oder zwei stehen, damit alle mal wieder richtig Urlaub machen können, um Luft zu holen für die schweren Auf­gaben, die dann mit Sicher­heit kommen werden.