XX stand am Samstag für: Zwölf­kom­masechs. 12,6‑tausend Löwen-Fans pil­gerten bei weiß­blauem Himmel zur Her­zens­heimat ihres Ver­eins. Ins vom Abriss bedrohte Grün­walder Sta­dion, wo die gute alte Zeit des TSV von 1860 wohnt, und nicht die pech­ge­pflas­terten 2000er-Jahre: mit Abstieg, Wild­moser-Schmier­geld­skandal, Bei­na­he­bank­rott, Miet­ab­hän­gig­keit vom FC Bayern und fort­ge­setzten internen Flü­gel­kämpfen, die den Klub seit Jahren schlei­chend zersetzen.

Am Samstag waren sich alle 12.600 einig (abzüg­lich ein paar Regens­bur­gern): Auch beide Fan­dach­ver­bände unter­stützten die krea­tive Sta­di­onak­tion, Pro 1860 und Arge. Am Samstag gab es keinen Zoff. Es gab für alle Löwen, Tra­di­tio­na­listen wie Realos, ein gemein­sames Ziel. Und Rie­sen­stim­mung. Wer solche Fans hat, der ver­liert trotz aller Skan­dale nie den Boden unter den Füßen.

Nur muss diese gewal­tige emo­tio­nale Kraft, die aus unver­brüch­li­cher Treue zu Sechzig erwächst, end­lich in eine Rich­tung fließen. XX-tau­send“ könnte für die Zukunft des ganzen Ver­eins Vor­bild­cha­rakter haben. Wenn an diesem Montag Auf­sichtsrat und Prä­si­dium tagen, um Ord­nung in das Füh­rungs­chaos der ver­gan­genen Wochen zu bringen – dann ist eng­stir­niges Lager­denken eben­falls deplatziert.

Pul­ver­fass mit Zeitzünder

Vier der neun e.V.-Aufsichtsräte werden der Arge zuge­ordnet, vier zu Pro1860. Aber das darf keine Rolle mehr spielen. Viel zu lange wurden im Sinne der Gie­singer Staats­räson faule Kom­pro­misse ver­waltet: Prä­si­dent und Geschäfts­führer wie Hund und Katz, dazu im Hin­ter­grund ver­worren gespon­nene Intrigen wie in einem Schiller-Drama oder einer Mozart-Oper – dies war seit Monaten ein Pul­ver­fass mit Zeitzünder.

Hinzu kommt ein Prä­si­dent, der ein höf­li­cher Mann sein mag, der jedoch in uner­reichbar eigenen Gedan­ken­welten lebt. Zu viele im Verein haben dem kon­tra­pro­duk­tiven Zanken im dritten Stock der Geschäfts­stelle still zuge­schaut. Leider bedurfte es einer Donner-Insze­nie­rung des undi­plo­ma­ti­schen Finanz­chefs Stefan Ziffzer, um das Patt aufzubrechen.

Diesen Montag haben die Gre­mien nun die Chance zur Selbst­rei­ni­gung. 1860 darf keine Große Koali­tion mehr sein, wo getrennte Frak­tionen um kleinste gemein­same Nenner ringen. Es sollten Men­schen das Sagen haben, die pro­fes­sio­nell und ein­trächtig vor­aus­mar­schieren, die das sport­liche Zukunfts­kon­zept mit einem enga­gierten jungen Trainer stützen – und vor allem: die neue Kapi­tal­geber ins Boot bringen, damit 1860 in der zweiten Liga vor­wärts­kommt.

Spagat zwi­schen Tra­di­tion und Moderne

Ob diese Leute an der Ver­eins­spitze Linde, Wett­berg, Steiner, Kas­ten­berger, Ziffzer, Lutz, Beeck, Hirsch­berger, Maget oder Schor­schi Brims­bichler heißen, ist sekundär. Alle, die an Sechzig hängen, sind wichtig für den Klub, auch jene Fort­schritts­skep­tiker, die das sünd­teure neue Sta­dion ver­ächt­lich AA“ nennen und deren Herz blutet, seit der kalte, kul­tur­lose Fuß­ball­kom­merz vom Verein Besitz ergriff.

Diese Hal­tung sollte man nicht nur als spin­nerte Sozi­al­ro­mantik abtun, bei 1860 muss ein Spagat zwi­schen Tra­di­tion und Moderne gelingen. Unstrittig ist aber auch, was Vize­prä­si­dent Franz Maget, ein emsiger Kämpfer fürs Grün­walder, betonte: Dritte Liga im Sechz­gers­ta­dion – das ist der fal­sche Weg: Unser Ziel heißt: erste Liga.“