Herr Minge, nächstes Jahr führt der DFB die 3. Pro­fi­liga ein. Welche Vor­teile sehen Sie dadurch für Dynamo Dresden?

Ver­stehen kann man das Leben nur rück­wärts, leben muss man es vor­wärts – nach einem Jahr werden wir schlauer sein, wie diese neue Liga ange­nommen wird. Die Inten­tion des DFB ist klar: Man möchte Qua­lität noch einmal bün­deln, der Schwel­len­tritt zur 2. Bun­des­liga soll ver­klei­nert werden. Ich muss dazu aller­dings sagen, das sport­liche Niveau in der Regio­nal­liga Nord ist immer schon sehr hoch gewesen, man konnte nicht eben mal so in die 2. Bun­des­liga auf­steigen. Es treten jede Saison eine Viel­zahl ambi­tio­nierter Ver­eine an, von denen jeder den Auf­stieg anpeilt.



Welche Erwar­tungen haben Sie an diese 3. Liga? Oder sagen Sie, das inter­es­siert mich alles gar nicht, ich will in die 2. Liga?

Nein, nein. Hochmut kommt vor dem Fall. Wir dürfen uns auf keinen Fall nur ober­fläch­lich mit dem Thema »3. Liga« beschäf­tigen. Wie gesagt, man muss nächste Saison sehr gut auf­ge­stellt sein, um an der Tabel­len­spitze ein Wört­chen mit­reden zu können.

Viele Ver­eine sagen, der DFB hätte mit der Ein­füh­rung der 3. Liga noch eine Spiel­zeit warten sollen, wenn der neue Fern­seh­ver­trag aus­ge­han­delt gewesen wäre. 

Damit muss man jetzt leben. Die Rah­men­be­din­gungen für die nächste Saison stehen und die müssen wir auch so akzep­tieren. Ich gehe davon aus, dass, wie bei jedem neuen Pro­dukt, noch die ein oder andere Kurs­än­de­rung durch­zu­führen ist – oder Mög­lich­keiten aus­ge­lotet werden, wo man das Pro­dukt noch besser plat­zieren könnte.

Sind die 625.000 Euro, die jeder Dritt­li­gist aus der Fern­seh­ver­mark­tung bekommen wird, gegen­über den 5 Mil­lionen Euro, die ein Zweit­li­gist aus der Fern­seh­ver­mark­tung bekommt, denn angemessen?

Wirt­schaft­lich gesehen, bleibt der Sprung von der 3. zur 2. Liga wei­terhin groß. Gegen­über der jet­zigen Saison ist die Ein­nah­me­si­tua­tion so viel besser nicht geworden. Man muss abwarten, wie die Liga als sol­ches ange­nommen wird, und wie die Reak­tionen der über­re­gio­nalen Spon­soren ausfallen. 

Wie fühlen Sie sich aktuell im Fern­sehen präsentiert?

Das Spiel Dynamo Dresden gegen Union Berlin wurde vom RBB live über­tragen. Der Markt ist bei uns da – es wird sich in Zukunft zeigen, wie das recht­lich umsetzbar ist. Wir haben mit den erhöhten Fern­seh­gel­dern eine Ver­bes­se­rung der jet­zigen Situa­tion – aber ein wirt­schaft­li­cher Quan­ten­sprung ist das nicht.

Gibt es schon Plan­spiele, wie hoch der Etat von Dynamo Dresden in einer 3. Pro­fi­liga sein könnte?

Wir haben diese Saison einen Etat von ca. 6 Mil­lionen Euro, der sich auch bei einem Ver­bleib in der 3. Liga nicht erhöhen würde. Wir müssen rea­lis­tisch sein. Es gibt in der Umset­zung der 3. Liga immer noch Unweg­bar­keiten, die man nicht zu opti­mis­tisch betrachten darf.

Um an der 3. Liga teil­nehmen zu können, müssen die Ver­eine ver­schie­dene Auf­lagen erfüllen, bei­spiels­weise muss das Sta­dion min­des­tens 10.000 Zuschauer fassen, ein Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum muss gestellt werden. Wie gehen Sie der­zeit mit diesen Auf­lagen für eine Teil­nahme an der 3. Liga um?

Das Sta­dion wird zur Zeit umge­baut, da werden wir im nächsten Jahr eine Über­gangs­re­ge­lung finden, und dann sind wir mit der Infra­struktur gut auf­ge­stellt. Alle anderen Auf­lagen erfüllen wir bereits. In einer sehr schwie­rigen Zeit haben wir damals mit der Ulf-Kirsten-Stif­tung und mit Unter­stüt­zung der Stadt ein Nach­wuchs­leis­tungs­zen­trum auf­ge­baut. Dynamo Dresden ist also in allen Teil­be­rei­chen Rich­tung Pro­fi­fuß­ball ausgerichtet.

Sie fühlen Sie sich dem­nach aus­rei­chend unter­stützt vom DFB?

Die Haus­auf­gaben muss jeder Verein selbst machen – die kann ja nicht der DFB machen. Wir müssen pla­ne­risch so auf­ge­stellt sein, dass wir auf sicheren Beinen stehen. Wir schleppen bekann­ter­maßen noch ein paar Pro­bleme aus der Ver­gan­gen­heit mit uns rum. Der DFB kennt unsere Pro­bleme im Zusam­men­hang mit dem Sta­di­on­neubau und mit unserer kleinen Rand­gruppe an gewalt­be­reiten Fans, die uns sicher­lich ein Image gebracht haben, was nicht der Rea­lität ent­spricht. Wir gehen offen und ehr­lich damit um. Es wird nichts kaschiert oder ver­schö­nert. Wir sehen den DFB als unseren Partner.

Manche Ver­eine sagen, sie hätten sich lieber die DFL als den DFB als Partner für die 3. Liga gewünscht.

Das Thema ist jetzt erst einmal vom Tisch – und es ist ja auch nicht so, dass diese zwei Ver­bände autonom exis­tieren. Es wird immer wieder Schnitt­stellen geben, wo auch die 3. Liga von der DFL par­ti­zi­pieren kann. 

Sie haben es als Profi selbst erlebt: Wo sehen Sie die Unter­schiede zwi­schen Erst- und Zweit­li­ga­fuß­ball und Drittligafußball?

Das regelt ganz auto­ma­tisch der Markt, wir haben ein­fach andere wirt­schaft­liche Vorraus­set­zungen als die Großen. Ich sage es mal ganz sar­kas­tisch: In der 3. Liga ist alles eine Nummer kleiner – die Spieler, die Sta­dien und die Manager. (lacht) Otto Reh­ha­gels »Geld schießt keine Tore« ist da immer nur die halbe Wahr­heit. Mit einer wirt­schaft­lich ver­bes­serten Aus­gangs­po­si­tion sind wir natür­lich auch in der Lage, eine ganz andere sport­liche Leis­tung abzuliefern.

Um nächstes Jahr über­haupt in der 3. Liga spielen zu können, muss Dynamo Dresden diese Spiel­zeit unter den ersten Zehn abschließen. Was pas­siert mit dem Verein, sollte die Mann­schaft »nur« Elfter werden?

Der Strich unter Platz 10 hat fast exis­ten­zi­elle Bedeu­tung – da brau­chen wir uns nichts vor­zu­ma­chen. Es wird sich auf alle Bereiche aus­wirken, wenn du am Ende der Saison unter dem Strich stehst. Man wird in eine Situa­tion geraten, in der man Pro­fi­fuß­ball nur noch sehr schwer leben und umsetzen kann. 

Gelten die Ver­träge der Spieler aus­schließ­lich für die dritte Liga?

Das ist unter­schied­lich. Aber wir müssen rea­lis­tisch damit umgehen: In der Regio­nal­liga hätten wir eine voll­kommen neue Ein­nah­me­si­tua­tion als in der 3. Liga. Einen Groß­teil der Spieler könnten wir dann mit Sicher­heit nicht mehr halten.

In Dresden müssen sich die Ver­ant­wort­li­chen zur Zeit also auf vier ver­schie­dene Ligen vorbereiten?

Es wäre grob fahr­lässig, wenn man im stillen Käm­mer­lein nicht die ver­schie­denen Wege aus­loten würde und am Ende nicht auf alles vor­be­reitet wäre. 

Wie würden sich die Spon­soren bei einem mög­li­chen Abstieg in die 4. Liga verhalten?

Wir waren immer in der glück­li­chen Lage, dass uns die regio­nalen Spon­soren die Stange gehalten haben – natür­lich mit einem dif­fe­ren­zierten Enga­ge­ment je nach Spiel­klasse. Das hoffen wir jetzt auch wieder.

Herr Minge, ist es eigent­lich sehr bedau­er­lich, dass die 3. Liga nicht »3. Bun­des­liga« heißen wird?

Wir sind nun mal keine Bun­des­liga. (lacht) 1. und 2. Liga sind Pre­mi­um­pro­dukte. Die Gesell­schaft ist elitär aus­ge­richtet – und wir sind nun mal nicht die Elite. Wir freuen uns irgend­wann, wenn wir mal wieder das Bun­des­liga-Logo auf dem Ärmel haben.

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