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Auf der Suche nach dem gewissen Etwas

Schalker Eintönigkeit

Text: Benjamin Kuhlhoff  Bild: Imago

Bei Schalke 04 stimmen Anspruch und Wirklichkeit eine weitere Saison nicht überein. Der Fußball der Königsblauen kann trotz Neuzugänge nicht mit dem Tempofußball anderer Mannschaften mithalten.

Auf der Suche nach dem gewissen Etwas - Schalker Eintönigkeit


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So könnte eine Kontaktanzeige klingen, die der FC Schalke 04 in den nächsten Wochen in sämtlichen Tageszeitungen Südamerikas, Europas und Afrikas schalten müsste, um der aktuellen Misere des Vereins schnellstmöglich entgegen zu steuern. Eine solche Maßnahme ist natürlich reine Utopie, doch gerade die letzten Fehlgriffe auf dem Transfermarkt (Grossmüller, Zé Roberto II, Sanchez) dürften zumindest Raum für alternative Ansätze lassen. Dass die Mannschaft dringend einen Impuls braucht, ist nicht zu übersehen. Trotz der besten Defensive der Liga ist der Vorjahresdritte mittlerweile da angekommen, wo er aus spielerischen Gesichtspunkten schon seit geraumer Zeit anzusiedeln ist – im Mittelfeld der Tabelle.

Und so verläuft die Saison 2008/09 für die Königsblauen bisher mit mehr Problemen, als sie es vorher erahnen konnten. Die Neuverpflichtungen Engelaar und Farfan wurden als echte Verstärkungen angepriesen, konnten ihre Vorschusslorbeeren bisher allerdings höchsten teilweise erfüllen. Beide scheinen noch nicht angekommen in der Liga und im Verein, der sich in schlechten Phasen wie diesen immer als besonders ungemütlich entpuppt. Dabei hatte Jefferson Farfan bereits zu Beginn der Saison angedeutet, dass er der lang ersehnte Kreativ- und Tempofußballer sein kann, auf den Schalke seit Jahren wartet. Doch im Verlauf der Hinrunde baute der Peruaner zunehmend ab.

Orlando Engelaar hingegen scheint noch immer nicht mit dem höheren Tempo in der Bundesliga klar zu kommen. Fehlerhaftes Stellungsspiel, mangelhafte Ballannahme und ungenaue Pässe sind Anzeichen von Verunsicherung, die so gar nicht zu dem Engelaar passen, der während der EM noch souverän das Spiel der niederländischen Nationalmannschaft ordnete. Auch die Pfiffe des nervösen und zeitweise überkritischen Schalker Publikums helfen dem Niederländer nicht, seinen Platz in der Mannschaft zu finden. Doch Trainer Fred Rutten hält an ihm fest, weil er ihm vertraut.

Der Stein kommt ins Rollen

Doch dieses Vertrauen in ihn und in seine Kollegen scheint mittlerweile so gut wie aufgebraucht. Nach der Schlappe in Leverkusen ließ Rutten erbost verlauten, dass er sich Sorgen mache und tief enttäuscht von seiner Mannschaft sei. Die war in beinahe allen bisherigen Partien vor allem durch ihr kaum vorhandenes Offensivspiel aufgefallen. In einer Liga, in der die Spitzengruppe um Leverkusen und Hoffenheim die Gegner mit Tempodribblings, kreativen Ideen und überfallartigen Kontern überrennt, wirkt das Spiel der Schalker so pomadig wie die Frisur von Kevin Kuranyi.

Die Verantwortlichen werden nervös, weil Anspruch und Realität auf Schalke mal wieder sehr weit auseinander driften. Es werden neue Wege gesucht, um das Spiel der Mannschaft und die Stimmung im Verein zu verbessern. Neue Spieler sollen her, außerdem soll die Mannschaft wachgerüttelt werden. Die ersten Aktionen sorgen aber eher für Unruhe, denn bei schlechten Ergebnissen beginnt es in Gelsenkirchen traditionell aus allen Ecken zu rumoren.  Unter der Woche meldete sich also der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies zu Wort und forderte über den Boulevard mindestens zehn Punkte aus den nächsten vier Spielen. Der Mann weiß, wie man den Druck auf eine ohnehin sensible und instabile Mannschaft erhöht. Rutten konterte prompt: »Ich finde die Aussagen von Herrn Tönnies nicht schlau«, und plädierte dafür, diese Dinge zukünftig intern zu regeln. Das scheint auf Schalke allerdings unmöglich zu sein.

Der Stein kommt also so langsam ins Rollen und was es heißt, sich auf Schalke mit der oberen Führungsriege anzulegen, davon kann Ruttens Vorgänger Mirko Slomka ein Lied singen. Fred Rutten sitzt fest im Sattel, dennoch  wird auch er auf kurz oder lang an Erfolgen gemessen. Ein kurzer Schreck wird so manchem Schalker am Montag dennoch durch die Glieder gefahren sein, als das ZDF im »heute journal« fälschlicherweise vermeldete, dass Peter Neururer neuer Trainer auf Schalke sei. Glücklicherweise hatte dieser gerade seinen Vertrag in Duisburg unterschrieben. Denn bevor Neururer nach Gelsenkirchen zurückkehrt, würden es die Verantwortlichen wahrscheinlich doch erst einmal mit einer Kontaktanzeige versuchen.




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